Zur Wirkungsweise cholinesterasehemmender Pharmaka

  • Fitz Heim
  • Published 2004 in
    Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle…

Abstract

Fo HEIM (Marburg): Zur Wirkungsweise cholinesterasehemmender Pharmaka. Von AMMON und ZIPF wurde der Nachweis erbracht, dab die Lokalan~sthetica Kocain, Novocain, Pantocain, Tutocain usw. die Cholinesterase des Serums hemmen. Da das Serum eine gegeniiber Acetylcholin unspezifische Esterase enth~lt, so kommt ihr nicht die gleiche physiologische Bedeutung zu, wie den spezifischen Cholinesterasen der Gewebe. Es wurde neben den Lokalan£sthetika gleichzeitig der EinfluB des Physostigmins auf die Cholinesterase des Serums, des Darms, der quergestreiften Muskulatur, der Leber, der roten Blutzellen und des Gehirns untersucht. I m Darm, in der Muskulatur und in der Leber kommen wahrscheinlich unspezifische und spezifische Cholinesterasen nebeneinander vor, w~thrend die Membranen der roten Blutzellen und das Gehirn nur die reine spezifische Cholinesterase enthalten. Das Physostigmin hemmt in einer Konzentrat ion yon 0,0001 millimol die Cholinesterase aller Organe zu 100%. Durch die Lokalan~sthe%ika (0,01 millimol) wird die unspezifische Serumesterase ebenfalls vo]lkommen gel~hmt. Geringer bereits ist ihre hemmende Wirkung auf die Cholinesterase des Darms, der Muskulatur und der Leber und relativ am schw~chsten auf die spezifische Cholinesterase der Erythrozyten und des Gehirns. Vergleicht man die Hemmungswirkung der Lokalan£sthet ika untereinander, so nimmt sie in der Reihenfolge: Pantocain, Kocain, Tutocain, Novocain ab. Es wird z. B. die Cholinesterase des Hirns durch 0,01 millimol Pantocain zu 54%, durch Kokain zu 43%, dutch Tutoeain nur noch zu 6% und durch Novocain praktisch tiberhaupt nicht mehr gehemmt. I m fibrigen besteht eine weitgehende Proportionalit~t zwischen der Hemmungswirkung des Physostigmins und der Lokalan~tsthetika einerseits und ihrer Giftigkeit andererseits. So betr~gt z. B. die Dosis letalis des Physostigmins je Kilogramm Kaninchen 4 mg, die des Pantocains 8 mg, die des Cocains 15 mg, die des Novocains 55 bis l l 0 m g . Vielleicht stehen beide Eigenschaften, n~mlich die fermenthemmende Wirkung und die Giftigkeit mit der LipoidlSslichkei t dieser KSrper in urs~chlichem Zusammenhang, denn diese n immt in der Richtung yon Pantocain fiber Kocain und Tutocain zum Novocain bin erheblich ab. Vergleicht man Physostigmin und die genannten Lokalan~sthetika in chemischer Hinsicht miteinander und mit dem eigentlichen physiologischen S u b s t r a t der Cholinesterase, dem Acetylcholin, so handelt es sich rein chemisch gesehen bei s~mtlichen KSrpern um Ester. Docb w~hrend das Acetylcholin bekanntlich einen fermentat iv sehr leicht aufspaltbaren Ester darstellt, sind das Physostigmin, das Prostigmin und die Lokalan~sthetika fermentativ sehr schwer hydrolysierbar.

DOI: 10.1007/BF00244701

Cite this paper

@article{Heim2004ZurWC, title={Zur Wirkungsweise cholinesterasehemmender Pharmaka}, author={Fitz Heim}, journal={Naunyn-Schmiedebergs Archiv f{\"{u}r experimentelle Pathologie und Pharmakologie}, year={2004}, volume={208}, pages={213-215} }