Zentrale Ethikkommission der Bundesärztekammer veröffentlicht Stellungnahme zum Forschungsklonen mit dem Ziel therapeutischer Anwendungen

Abstract

Verfahren, das in Deutschland zumeist als von vornherein moralisch zweifelhaft gilt, obendrein noch zu einem Zeitpunkt, zu dem dieses Verfahren durch die Fälschungen des koreanischen Forschers Hwang zusätzlich inMisskredit geraten ist? – Auf diese im Ansatz berechtigten Fragen lassen sich mehrere Antworten geben. Erstens knüpft die Zentrale Ethikkommission der Bundesärztekammer mit dieser Stellungnahme an ihre Stellungnahme zur Stammzellforschung vom 19. 6. 2002 an, in der sie die ethischen Fragen im Zusammenhang mit der Gewinnung von embryonalen Stammzellen mithilfe von Klonverfahren ausdrücklich offen gelassen hatte. Sie holt also gewissermaßen die Hausaufgaben nach, die sie sich selbst gestellt hatte. Zweitens reagiert sie mit dieser Stellungnahme auf die Tatsache, dass nicht nurGroßbritannien, sondern auch andere EU-Länder Rechtsgrundlagen für das therapeutische oder Forschungsklonen als Methode der Herstellung embryonaler Stammzellen geschaffen haben. Man wird nicht schlicht ignorieren können, dass sich ein Teil unserer Nachbarländer konstruktiv mit einem Verfahren auseinandersetzt, das allerWahrscheinlichkeit nach in Europa in nur wenigen Jahren zur Verfügung stehen wird. Und drittens sieht sich die ethische Diskussionmit der sich andeutendenMöglichkeit, durch eine gezielte Veränderung der Gameten den Kerntransfer so zu steuern, dass lediglich nicht-entwicklungsfähige Blastozysten entstehen,mit einemSachstand konfrontiert, der das ethische Für und Wider dieses Verfahrens in einem neuen Licht erscheinen lässt. Da sich nicht nur die rechtliche, sondern auch die vorherrschende ethische Beurteilung des therapeutischen oder Forschungsklonens – und des Embryonenschutzes insgesamt – nahezu ausschließlich aufdas Potenzialitätsprinzip beruft (und etwa das deutsche Embryonenschutzgesetz keineswegs alle menschlichen Embryonen schützt, sondern lediglich Embryonen und totipotente Zellen mit der Fähigkeit, sich „zu einem Individuum zu entwickeln“), eröffnet die Aussicht, embryonale Stammzellen aus nicht entwicklungsfähigen Blastozysten zu gewinnen, Chancen auf die Akzeptanz dieses Verfahrens auch auf Seiten bisheriger Gegner und Skeptiker. In der Tat ist inzwischen über eine entsprechende gezielte Abwandlung des Klonverfahrens (ANT – altered nuclear transfer) im Mausmodell berichtet worden, bei der morphologisch abnorme und nicht implantierbare Blastozysten entstehen, die aber gleichwohl zur Gewinnung pluripotenter embryonaler Stammzellen genutzt werden können (Meissner und Jaenisch, Nature vom 12. 1. 2006, 212–215). Das eigentlich Innovative dieser Stellungnahme liegt allerdings weniger in ihren inhaltlichen als in ihren formalen Aktuelles

DOI: 10.1007/s00481-006-0437-7

Cite this paper

@article{Birnbacher2006ZentraleED, title={Zentrale Ethikkommission der Bundes{\"a}rztekammer ver{\"{o}ffentlicht Stellungnahme zum Forschungsklonen mit dem Ziel therapeutischer Anwendungen}, author={Prof. Dr. phil. Dieter Birnbacher}, journal={Ethik in der Medizin}, year={2006}, volume={18}, pages={189-191} }