Wo der klinische Blick versagt

  • Published 2006 in Der Anaesthesist

Abstract

Aus rei chen de kli ni sche Er fah rung ist ein we sent li ches Ele ment ei ner ef fi zi en ten, siche ren und si tua ti ons a d ap tier ten Nar ko sefüh rung. Der „kli ni sche Blick“ des Ex perten, an ge eig net in vie len Jah ren prak ti scher An äs the sie und ba sie rend auf ei ner aus gepräg ten Fä hig keit zur Mus te rer ken nung [1], hilft den Er fah re nen un ter uns, be stimm te Si tua tio nen rich tig ein zu schät zen, In for matio nen kor rekt zu be wer ten und auf tre tende Pro b le me kom pe tent zu lö sen. Un se re Pati en ten ver lan gen da her mit Recht nach einem er fah re nen An äs the sis ten, dem sie ihr Le ben und ihre Ge sund heit an ver trau en. Den noch, auch der er fah rends te Kli niker wird sich kei nes falls al lei ne auf das verlas sen, was er mit sei nen fünf Sin nen er fahren kann. Im Ge gen teil – er wird die tech nischen Mög lich kei ten nut zen, die ihm an die Hand ge ge ben sind und die da raus re sul tieren den In for ma tio nen, zu sam men mit seinen kli ni schen Kennt nis sen, zu ei nem möglichst um fas sen den Ge samt bild des Pa ti enten ver ei nen. Die Nut zung tech ni scher Hilfs mit tel ist in vie len Teil be rei chen der An äs the sie daher un er läss lich – die Not wen dig keit ob jekti ver In for ma ti on, als Er gän zung des „kli nischen Blicks“, weit rei chend ak zep tiert. Das quan ti ta ti ve, neu ro mus ku lä re Moni to ring bie tet uns als An äs the sis ten die Mög lich keit, durch ein tech ni sches Ver fahren in ei nem emi nent wich ti gen Teil be reich der Nar ko se füh rung, re le van te Da ten zu gewin nen. Tho mas Fuchs-Bu der und Matt hi as Eiker mann zei gen uns in ih rem Leit the ma zu die ser Aus ga be des „An äs the sis ten“ auf über zeu gen de Art und Wei se, dass der Infor ma ti ons ge winn, der sich aus ei nem konse quen ten und suf fi zi en ten neu ro mus ku lären Mo ni to ring er gibt, von er heb li cher klini scher Kon se quenz für den Pa ti en ten sein kann (und ist). Mus kel re la x an ti en kön nen nach An wendung in kli nisch ge bräuch li cher Do sie rung zu lang an hal ten den Rest blo cka den füh ren. Er staun li cher wei se zeigt sich dies nicht nur für die lang wirk sa men, son dern, wenngleich auch sel te ner, eben so für mit telund kur z wirk sa me Sub stan zen. Selbst wenn wäh rend des Ein griffs auf eine Nach re la xierung ver zich tet wird, tre ten re le van te Restblo ckaden noch zwei Stun den nach der Intu ba ti on bei mehr als 50 al ler Pa ti en ten auf. Aus der Phar ma ko ki ne tik der Mus kelre la xan ti en lässt sich eine si che re Prog no se auf de ren Wir ken de also nicht stel len. Als Ver mei dungs stra te gi en bie ten sich zum einen die rou ti ne mä ßi ge Ant ago ni sierung, zum an de ren der völ li ge Ver zicht auf eine Re la xa ti on an. Die Au to ren des ak tuel len Leit the mas ma chen je doch klar, dass kei nes der Ver fah ren für die brei te An wendung am Pa ti en ten eine gang ba re Al ter na tive dar stellt. Der Ein satz von Ace tyl cho li nesteras ein hi bi to ren er for dert die Vor ab ga be von Atro pin, bei de Sub stan zen zei gen ein nicht un er heb li ches Pro fil un er wünsch ter Wir kun gen und sind da her ge ra de bei Pa tien ten mit kri ti schen Vor er kran kun gen nur ein ge schränkt an wend bar. Der völ li ge Ver zicht auf eine Re la xa ti on ver schlech tert ohne Zwei fel die Ope ra ti onsbe din gun gen bei ei ner Viel zahl von Ein griffen und führt zu dem zu ei ner er höh ten In zidenz in tu ba ti ons be ding ter Lä sio nen im Larynx be reich. Wenn wir aber we der das Wirken de der Re la x an ti en si cher „vor her sa gen“ kön nen, noch sinn vol le Stra te gi en be sit zen, neu ro mus ku lä re Rest blo cka den zu ver meiden, bleibt letzt lich nur eine Al ter na ti ve: Eine noch be ste hen de Re stre la xa ti on muss erkannt, quan ti fi ziert und ge ge be nen falls gezielt be han delt wer den – sei es durch Fortfüh rung der Nar ko se oder durch die gut indi zier te An wen dung von Ace tyl cho li nesteras ein hi bi to ren. Ei ner Pub li ka ti on von T. Fuchs-Bu der [2] in die ser Zeit schrift aus dem Jahr 2003 zum „Ein satz des neu ro mus ku lä ren Mo ni torings in Deutsch land“ lässt sich aber ent nehmen, dass bis lang nur 28 al ler An äs the sieab tei lun gen rou ti ne mä ßig ein neu ro mus kulä res Mo ni to ring an wen den. Die über wiegen de Mehr zahl der An äs the sis ten ver lässt sich also bei der Fra ge „be steht bei mei nem Pa ti en ten noch eine Re stre la xa ti on?“ of fensicht lich auf ih ren „kli ni schen Blick“. In ei ner gan zen Rei he von Un ter su chungen – die Au to ren des Leit the mas spre chen vie le von ih nen an – konn te je doch ge zeigt wer den, dass re le van te Rest blo cka den anhand kli ni scher Pa ra me ter nicht er kannt wer den kön nen. Die Be obach tung der Atemme cha nik, ein fa che Tests zur Ab schät zung der Mus kel kraft oder ein aus rei chen des Atem zug vo lu men un ter Spon tan at mung am Ende der Nar ko se sind un ge eig ne te Varia blen zur Be stim mung der neu ro mus ku lären Rest blo cka de. Sie rei chen al len falls aus,

DOI: 10.1007/s00101-006-0973-z

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@article{2006WoDK, title={Wo der klinische Blick versagt}, author={}, journal={Der Anaesthesist}, year={2006}, volume={55}, pages={5-6} }