Wissenschaftliche Erläuterungen zur Stellungnahme „Bewertung von Apherese- und Pool-Thrombozytenkonzentraten“ des AK Blut vom 31.03.2015

  • Bekanntmachungen – Amtliche
  • Published 2015 in
    Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung…

Abstract

Bei der Versorgung von Patienten mit Thrombozytenpräparaten kommen in Deutschland verschiedene Herstellungsverfahren zum Einsatz. Zur Herstellung von Pool-Thrombozytenkonzentraten (PTK) werden die Thrombozyten aus mehreren Vollblutspenden zusammengeführt (gepoolt), zur Herstellung von Apherese-Thrombozytenkonzentraten (ATK) werden Thrombozyten maschinell von einem Spender gewonnen. Aktuell gibt es eine Diskussion über die Vorund Nachteile beider Thrombozytenkonzentrate, die auch in der wissenschaftlichen Literatur geführt wird. Unabhängig von der Präparateauswahl (Poolbzw. Apherese-TK) gibt es weitere Diskussionspunkte einer optimalen, evidenzbasierten Therapie mit Thrombozytenkonzentraten: die Indikation (prophylaktische versus therapeutische Transfusion), der Transfusionstrigger und die Dosierung. Ein weiterer zentraler Aspekt der Debatte ist die Risikobewertung von PTK und ATK, insbesondere mit Blick auf Infektionsrisiken. Hierbei sind die Spenderexposition ebenso wie die mit der jeweiligen Spenderpopulation assoziierten Risiken zu berücksichtigen. Außerdem ist auch die Frage der Versorgungssicherheit der Patienten mit Thrombozytenkonzentraten und Auswirkungen möglicher Veränderungen der Thrombozytenversorgung auf die Struktur des Blutspendewesens in Deutschland von Bedeutung. Die Intensivierung der Diskussion in Deutschland wurde durch ein Urteil des Sozialgerichts für das Saarland vom 19.06.2009 (S23KR100/09) und die Ablehnung der Berufung durch das Landessozialgericht für das Saarland vom 22.08.2012 (L2KR39/09) ausgelöst. In diesem Rechtsstreit ging es um die Kostenerstattung für zwei ATK, die akut im Rahmen eines kardiochirurgischen Eingriffs bei einer Patientin verabreicht wurden. Der Kostenträger hatte die Abrechnung des Zusatzentgeltes mit der Begründung verweigert, dass auch PTK hätten transfundiert werden können. Diese wären aufgrund der unterschiedlichen Vergütungsstruktur im DRG-Entgeltsystem nicht gesondert erstattet, sondern als mit der Fallpauschale abgegolten angesehen worden [1]. Die Klage sowie die Berufung scheiterten, da von Seiten des Gerichts kein Unterschied in der Wirksamkeit beider Präparateformen anerkannt wurde. Ein möglicher Risikounterschied zwischen beiden Produkten wurde in der Urteilsbegründung für bekannte Erreger nicht als erwiesen angesehen, ein möglicher Risikounterschied im Hinblick auf unbekannte Erreger wurde als nicht relevant für die Entscheidung betrachtet. Eine medizinische Notwendigkeit der Applikation von ATK wurde nicht anerkannt. Logistische Gründe für die Verabreichung von ATK (keine PTK im Depot) wurden ebenfalls nicht berücksichtigt, da grundsätzlich derartige Produkte auf dem Markt seien und deren Verfügbarkeit durch das Krankenhaus hätten ermöglicht werden können. Die Gesamtversorgungssicherheit mit TK in Deutschland und die dafür evtl. notwendige Aufrechterhaltung eines dualen Systems sei für die Beurteilung des Einzelfalls unerheblich. Zu dem Thema liegen bereits mehrere Stellungnahmen bzw. Gutachten von Fachgesellschaften, z. B. der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) [2], der Arbeitsgemeinschaft der Ärzte staatlicher und kommunaler Bluttransfusionsdienste e. V. (StKB) [3] und des Berufsverbandes Deutscher Transfusionsmediziner e. V. [4] vor. Primäres Ziel dieser Stellungnahme des AK Blut ist es, Daten zur vergleichenden Risiko-Nutzen-Abwägung und Auswirkungen auf die Versorgung zu bewerten. Wichtige Punkte sind hierbei die Besonderheiten der Herstellung, therapeutische Aspekte, die Wirksamkeit der Präparate, Bewertung von Risiken für unerwünschte Reaktionen bei Transfusionen einschließlich Infektionen, die Versorgungslage und die Perspektive der Spenderinnen und Spender. ATK und PTK werden mit Blick auf diese Punkte vergleichend betrachtet. Ergebnisse aus Literaturrecherchen und eigene Daten werden den einzelnen Punkten zugeordnet und abschließend bewertet. Die Stellungnahme wird Aspekte der Pathogeninaktivierung von TK nicht vertiefen. Hierzu ist eine separate Stellungnahme des AK Blut in Vorbereitung. Mitteilungen des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit

DOI: 10.1007/s00103-015-2231-5

Cite this paper

@article{Amtliche2015WissenschaftlicheEZ, title={Wissenschaftliche Erl{\"a}uterungen zur Stellungnahme „Bewertung von Apherese- und Pool-Thrombozytenkonzentraten“ des AK Blut vom 31.03.2015}, author={Bekanntmachungen – Amtliche}, journal={Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz}, year={2015}, volume={58}, pages={1129-1150} }