Wie sollte sich eine wissenschaftliche Fachgesellschaft positionieren?

Abstract

nung hinsichtlich des Ressourcen-Inputs und der erzielten Ergebnisse. Die neue Approbationsordnung ist zu sehr darauf ausgerichtet, einen guten praktischen Arzt auszubilden. Doch nur die ganz frühzeitige Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Inhalten lässt an einer wissenschaftlichen Karriere Interesse aufkommen. Hier könnten die für klinische Forschung eingesetzten Hochschullehrer bereits während des Studiums Einfluss auf eine verstärkte wissenschaftliche Ausbildung nehmen. Dies entspricht einer gemeinsamen Forderung von DFG und Wissenschaftsrat nach einer stärkeren Differenzierung der medizinischen Laufbahn in einen mehr wissenschaftlich orientierten und einen eher auf den Arztberuf ausgerichteten Zweig [1]. Prinzipiell erscheint somit eine Unterteilung der medizinischen Ausbildung in einen wissenschaftlich und einen ärztlichen Zweig sinnvoll. Hierbei sollte jedoch eine gewisse Durchlässigkeit zwischen diesen beiden Optionen gegeben sein. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die molekulare Medizin bereits heute zu einem festen Bestandteil unserer praktisch-klinischen Medizin geworden ist. Um sie in allen ihren Möglichkeiten nachhaltig für die Urologie nutzbar zu machen und, umgekehrt, sie aber auch für spezifische urologische Fragestellungen (und hier durchaus nicht nur für die Uroonkologie) weiterzuentwickeln, wird ihre feste und dauerhafte Integration in die universitäre Urologie zu einem Paradigma, ohne das die Urologie als selbstständiges akademisches Fach keine Zukunft haben wird. Unter der Erkenntnis, dass in der engen Verquickung zwischen medizinischer Fakultät und Klinik sich die Patientenversorgung auf Kosten von Forschung und Lehre durchsetzt, ist eine Institutionalisierung von praktisch-klinischer und der Forschung verpflichteter Urologie unter einem Dach unumgänglich. Die traditionelle Urologie spielt heute bereits in vielen Bereichen eine nur untergeordnete Rolle. So sei beispielhaft erwähnt, dass die Tatsache, dass die Reproduktionsmedizin sowie der komplexe Bereich der „Männermedizin“ durchaus nicht zu den Kernkompetenzen der Urologie zählen, im Wesentlichen dadurch zu erklären ist, dass sich Urologe 2006 · [Sonderheft] 45:22–26 · DOI 10.1007/s00120-006-1177-5 Online publiziert: 16. August 2006 · © Springer Medizin Verlag 2006

DOI: 10.1007/s00120-006-1177-5

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@article{Weissbach2006WieSS, title={Wie sollte sich eine wissenschaftliche Fachgesellschaft positionieren?}, author={Prof. Dr. med. Lothar Weissbach and Herbert Ruebben}, journal={Der Urologe}, year={2006}, volume={45}, pages={22-26} }