Von Goldrausch und Schatzsuchern Die Herausforderung einer Orientierung im Lebensmittel-Dschungel

Abstract

Immer stärker rücken denotative, also sachbezogene Aspekte des Produktnutzens in den Hintergrund zugunsten konnotativ-emotionaler Komponenten. Sie sind zugleich die „Hauptakteure“ einer werblichen Kommunikation, die mit schönem Schein und wenig einklagbaren Versprechen argumentiert. Gerade im Verbraucherschutz wird dieser Trend als Übervorteilung des Konsumenten angeprangert. Deutlich wird jedoch, dass Emotionalisierung und Ästhetisierung in der Werbung keineswegs bloß eine Erfindung gerissener Marketingstrategen ist. Vielmehr stehen Produkt, Werbung und Gesellschaft in enger Wechselbeziehung zueinander und selbst der vermeintliche „Bluff“ erfüllt soziale, insbesondere Identität stiftende Funktionen. Am Beispiel des neu lancierten Mineralwassers „gize“ wird deutlich, dass dessen Auratisierung über die werblich angepriesene „Goldfilterung“ nur dann ihren Glanz entfalten kann, wenn gesellschaftliche Voraussetzungen gegeben sind: die Wahrnehmung von Umweltbedrohungen, die Entdeckung des Körpers als Status-Symbol in individualisierten Gesellschaften, deren zentrale Frage im Wählen- und nicht im Maximieren-Können besteht, sowie die daraus resultierende lebenslang zu bearbeitende Identitätsproblematik. Diese Trends spiegeln sich gleichermaßen in der Konzeption von Produkt und Werbung wider wie auch diese dem Individuum (zumindest temporäre) Lösungs-Ansätze liefern können im Umgang mit gegenwärtigen Herausforderungen.

DOI: 10.1007/s00003-010-0653-4

Cite this paper

@article{Kritzmller2010VonGU, title={Von Goldrausch und Schatzsuchern Die Herausforderung einer Orientierung im Lebensmittel-Dschungel}, author={PD Dr. Monika Kritzm{\"{o}ller}, journal={Journal f{\"{u}r Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit}, year={2010}, volume={6}, pages={127-136} }