Tonsillektomie mit Diathermie

Abstract

In dam obengenannten Artikel ARoNS sind einige Bemerkungen enthalten, die geeignet erscheinen, der bei manchen Kollegen bestehenden Vorstellung yon der Gefahrliehkeit der chirurgisehen Tonsiliektomie, besonders yon den Gefahren der Nachblntung~ neue Nahruhg zu geben. Diese u ist melnes Erachten:s ungerech~iertigt oder doch mindestens s tark ~bertrieben. Icll bestreite zunachst, dab bei der Operation selbst ,,zuweilen recht unangenehme und die Operation st6rende Blutungen" vorkommen ; wenigstens kann ich reich niche entsinnen, dab bei elmer recht grol3en Zahl yon Tonsillektomien, die ich im Laufe der Jahre nnter hf i l t ra t ionsanas thes ie mittels eines Novocain-Suprarenin-Gemisches vorgenommen habe, jemals eine nennenswerte Blutung reich bei der Vornahme der Operation wirklich gest6rt hat . Anders verhal t es sich mi t den Naehblutungen einige Stnnden nach der Operation, wenn die Suprareninwirkung nachgelassen hat , deren gelegentliches Vorkommen niche gelengnet warden kann. Dieses u wird aber um so seltener sein, je sorgfaltiger der Operateur bei der Blutstillung vertahrt . Ha t man in die Mandelnischen nach erfolgter Ausschalung mehrmals einen -evtl. ml t H20=-L6sung getrgnkten -Tampon test eingedrfickt u n d e s b lu te t dann noch am einer oder mehreren Stellen, so muB man sorgfaltig jedes blutende GefgB mit dam Pdan Iassen und unterbinden oder -was mir noah zweckmagiger scheint es umstechen. Jedenfalls muB man es sich zur Regel machen, dab der Pa t ien t niche eher vom Operationsstuhl aufstehen dart, ehe niche das Wundbe t t vollkommen trocken ist und auch tro cken bleibt, nachdem der Pa t ien t ant Aufforderung t in paar Wflrgbewegungen gemacht hat. Be~olgt man diese Regeln, so ist mi t der Gefahr, dab eine Nachblutung auftr i t t , kanm zu rechnen. Es kann wohl auch einmal zu einer Sp~tblutnng noch nach Tagen kommen, w e n n sieh ein Blutkoagulum abst613t; ich entsinne mich eines Falles, wo dies 8 Tage naeh der Operation, nachdem Pa t ien t die Klinik bereits verlassen hat te , vorkam. Das abet sind unvorhersehbare Zufiille, wie sie nach jedem chirurgischen Eingriff gelegentIich einmal vorkommen k6nnen. Ni t ist aach kein Fall bekannt geworden, wo eine Nachoder Sp~tblutung, wenn sie wirklich einmal vorkam, niche mit den iiblichen Methoden h~itte zum Stehen gebraeht werden k6nnen; ebensowenig ist mir bekannt , dab wo man einmai gezwungen war, zur Blutst i l lung die Gaumenb6gen zu vernahen, dies den Ausgang f~r eine septische Allgemeininfektion gegeben habe, wie dies aus einer Bemerkung ARONS entnommen werden kann. Die gli~cklicherweise sehr seltenen Falle yon Sepsis nach Tonsillektomie sind vielmehr fast stets darauf znrflekzufiihren, dab der Operateur bei Vornahme der Infi l t rat ionsanasthesle mit der Nadel durch das infizierte Mandelgewebe hindurch in das gesunde Gewebe der Umgebung geriet nnd so eine Propagierung yon Keimen herbeiffthrte. Das ist nati~rlich ant das strengste zu vermeiden und kann bei einiger Vorsicht auch vermieden werden. ARON empfiehlt nun zur Vermeidung der seiner 1Vieinung nach der i~bliehen chirurgischen Methode anhaftenden Gefahren die Tonsillektomie initials Diathermie, Die Empfehlung der Xaltkaust ik zur Entfernung der erkrankten Mandeln ist niche neu. Eine Anzahl ausl~tndischer, besonders amerikaniseher Antoren, Ierner die Schwedin HO~VENDAI~L ha t dies Verfahren angewandt; bei uns ist NAGELSCHMIDT als sein Beffirworter aufgetreten. Fast alle diese Autoren, wi t verschiedenartig auch im einzelnen ihre Teehnik sein mag, benutzen die Diathermie zur Zerst6rung der erkrankten Mandel, indem sie mit der akt iven nadeloder messerf6rmigen Elektrode deren Gewebe in toto oder teilweise elektrokoagulieren. Etwas ganz anderes aber macht A•o•. Er bedient sich der l~alte~r Elektrode als Elevatorium, um die Tonsille aus ihrer Umgebung herauszulOsen, und schaltet den Strom nur ein, wenn es sich da tum handelt, etwa sich darbietende Strange oder Verwachsungen zu durchtrennen. Er 16st also -wie wit es ira allgemeinen tun mittels eines stumpfen Elevatoriums die Mandel extrakapsul~ir aus ihrem Beet und yon den Gaumenb6gen, nu t dab er sich niche dazu tines der vielen zu diesem Zweck angegebenen stumpfen oder halbstumpfen gebogenen oder 15ffelfOrmigen Elevatorien bedient, wie sit allgemein im Gebrauch sind und wit man sie in jedem Instrumentenketalog verzeichnet findet, sondern einer elevatorinmartigen Elektrode, wie er s i t in seinem Elektrodenkastchen finder. Bis damn ist also kein gegensatzlicher Untersehied gegeni~ber der allgemein flblichen Methode der Tonsillektomie zu konstatieren. Die Verwendung von ,,Messer, Schere oder scharfem Elevator ium" zur AusschMung der Tonsille ist niche, wi t ARON anzunehmen scheint, allgemein flblich, sondern wird wohl yon allen Operateuren tunlichst vermieden. Das einzige, worin sich ARONS Methode yon tier allgemein get, been ehirurgischen Tonsillektomie unterscheidet, ist, dab er sich zur Durcht rennung sich etwa darbietender Strange und Verwachsungen der Diathermie bedient. Aber einzig dazu den Apparat der Diathermie in Bewegnng zu setzen, scheint doch zum mindesten i~berfltissig. Leistet einmal t in etwas derberer Bindegewebsstrang dem Elevator ium Widerstand, so schneider man ihn mit einem Scherenschlag dicht an der Kapsel dutch, und will man ganz besonders vorsichtig vorgehen, so kann man bei dam Verdacht, dab in dem Strang ein BlutgefaBchen enthal ten sein k6nne, ihn, wie dies HALLE grundsXtzlich empfiehIt, vor der Durchschneidung mit dem P~an fassen und mandelwarts durchtrennen. Bemerkt sei noch, dab man sich zur Durchtrennung des unteren Mandelpols niche, wie man aus ARONS Worten entnehmen k6nnte, der galvanokaustischen Schlinge oder gar des Flachbrenners bedient, sondern ihn mittels der zu diesem Zweck yon BI~J:NINGS ~ngegebenen kalten Schlinge durchquetscht . Die chirurgische Diathermie ha t sich ft~r die Ausrot tung chronisch erkrankter Mandeln bei uns nicht einbfirgern k6nnen. Der einzige Vorteil, den man gegenf~ber der chirurgischen Methode far sie ins Feld f~hren kSnnte, ist der, dab die Operation selbst blutlos verlauft; w~r haben abet gesehen, dab dieser Vorteil nieht sehr hoch zu-ver~nschlagen ist, da nach Infil tr ierung des peritonsill~ren Gewebes mit Novocain-Suprarenin-Gemisch fast niemals unter der Operation stOrende I31utungen auftreten. Demgegenflber stehen mannigfache Naehteile, die auch von einem Teil der Autoren, die sonst warme AnhXnger der Diathermie sind, niche in Abrade gestellt warden: , Erheblich langere Dauer der Operation, sehr starke schmerzhafte und langdauernde Reaktion, Unm6glichkeit, die Wirkung der Kaltkaustik genau ant das Mandelgewebe zu beschr~inken und eine Sch~idigung des umgebenden Gewebes zu vermeiden. Und was nun die Gefahr der Nachblutung betrifft, so sieht sieh ARotr in einem Naehtrag bei der Korrektur mitzuteilen genOtigt, dab er eine solche -und zwar e ine, ,s tarke" -nach Anwendung seines Verfahrens, am 8. Tag nach der Operation, erlebt hat. Es ist zu beft~rchten, dab ,,bei langerer Dauer der Erfahrung" ibm eine Wiederholung dieses Erlebnisses niche erspart bleiben wird. DaB nach Kal tkaust ik solche Spatblutungen auftreten k6nnen, dann ngmlich, wenn der t in GefaB bedeckende Schorf sich abst6gt, ist eine mehrfach mitgeteilte grfahrung, Damit wird abet der Hauptvortei l , den die Diathermie gegeniiber der ehirurgischen Tonsillektomie haben soll, illusorisch; es fallt jeder Grund fort, diese Operation aufzugeben, die bei der n6tigen Vorsieht und Beherrschung der Technik als einfach and ungefahrlich bezeichnet werden kann.

DOI: 10.1007/BF01745443

Cite this paper

@article{Finder2005TonsillektomieMD, title={Tonsillektomie mit Diathermie}, author={Prof. Dr. Georg Finder}, journal={Klinische Wochenschrift}, year={2005}, volume={8}, pages={456-456} }