Thrombosen im Kindesalter

Abstract

Eine c Thrombose ist definiert als völliger oder partieller Verschluß eines Blutgefäßes durch ein Gerinnsel; eine c Thromboembolie als Obstruktion eines Gefäßes durch Thrombusanteile, die sich an anderer Stelle im Organismus gebildet haben und von dort disloziert sind. Venöse und arterielle Gefäßverschlüsse im Kindesalter sind seltene Ereignisse und treten spontan hauptsächlich innerhalb der Neugeborenenperiode auf, mit einer weiteren Häufung zu Beginn der Pubertät. Die c Inzidenz für Thrombosen in der Neugeborenenperiode wurde in Deutschland mit 5,1/100.000 Lebendgeburten geschätzt, bis zum 16. Geburtstag beträgt die Lebenszeit-Inzidenz <1:5000. Bereits 1862 beschrieb Rudolf Virchow (1821–1902) die im wesentlichen noch heute gültigen c pathogenetischen Faktoren für eine Thromboseentstehung: Gefäßwandschädigung, erhöhte Gerinnungsneigung und erniedrigte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes. Gefäßwandschädigung und erniedrigte Strömungsgeschwindigkeit begünstigen durch eine lokale Gerinnungsaktivierung Thromboseentstehung und -wachstum. Diese Mechanismen können durch c exogene und endogene Trigger ausgelöst werden wie z.B. peripartale Asphyxie oder maternaler Diabetes, medizinische Interventionen wie die Anlage zentralvenöser Katheter, chirurgische Eingriffe, Immobilisierung oder Gipsverbände, Trauma, Dehydrierung, Sepsis und Erkrankungen aus dem onkologischen, renalen und rheumatischen Formenkreis und die Einnahme oraler Kontrazeptiva bei jungen Mädchen in der Pubertät. (Tabelle 1). Wesentliche Fortschritte wurden in den letzten 20 Jahren im Verständnis der Ursachen einer erhöhten Gerinnungsneigung durch die Identifikation einer Vielzahl von c humoralen Risikofaktoren für Thrombophilie erreicht. Einen Mangel an antithrombotischen Schutzfaktoren bzw. andere Risikofaktoren für Thrombosen findet man in unterschiedlicher Häufigkeit auch in der Normalbevölkerung. Sehr viel häufiger werden solche Störungen aber bei Patienten mit manifesten Thrombosen gefunden. Die Odds-Ratio ist ein Indikator dafür, um wieviel das Vorhandensein eines solchen Risikofaktors die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das betroffene Kind an einer Thrombose erkranken wird. Diese humoralen Risikofaktoren für Thrombophilie werden bei venösen Thrombosen und zerebralen Insulten mit unterschiedlicher Häufigkeit gefunden [4, 8, 9]. Tabelle 2 fasst die Daten für venöse Thrombosen und spontane Hirninfarkte im Kindesalter zusammen. Die Liste dieser Risikofaktoren beinhaltet einerseits quantitative und qualitative Störungen von antithrombotischen Eiweißstoffen (Antithrombin, Protein S,

DOI: 10.1007/s001120050570

Cite this paper

@article{Kosch2000ThrombosenIK, title={Thrombosen im Kindesalter}, author={Andrea Kosch and R{\"{u}diger von Kries and Ulrike Nowak-G{\"{o}ttl}, journal={Monatsschrift Kinderheilkunde}, year={2000}, volume={148}, pages={387-397} }