Synkarzinogenese Beruf und Krebs im Kopf-Hals-Bereich

Abstract

In seinem einleitenden Referat präzisierte A. Dietz (Hals-Nasen-Ohren-Universitätsklinik Heidelberg) den Begriff der Synkarzinogenese. Im Gegensatz zur Kokarzinogenese, bei der während der Initialphase der Krebsentwicklung eine unspezifische Schädlichkeit (z.B. Entzündung, Verletzung etc.) die Realisationsphase auslöst, handelt es sich bei der Synkarzinogenese um das Zusammenwirken eigenständiger Karzinogene bei der Entartung von Zellen. Man unterscheidet additive, überadditive und multiplikative Risikosteigerung bei gleichzeitiger Einwirkung verschiedener Karzinogene. Als Beispiel wird auf das multiplikativ erhöhte Risiko für Bronchialkrebs bei kombinierter Einwirkung von Zigarettenrauch und Asbestfasern hingewiesen [3, 6]. Auch für andere Gefahrstoffe aus der chemischen Industrie (Isobutylol, NH3, Kohlegase und Teer) konnte in Kombination mit Asbestfaserstaubexposition ein überadditiv erhöhtes Risiko für Krebs aller Organsysteme gezeigt werden [6]. Eine überadditive Risikoerhöhung für Lungenkrebs wurde für die kombinierte Exposition gegenüber Radon enthaltendem Staub und Zigarettenkonsum beschrieben [9]. Ebenso konnte errechnet werden, daß die kombinierte Einwirkung von aromatischen Aminen und Zigarettenkonsum das Risiko für Harnblasenkrebs überadditiv steigert [7]. Es ist durchaus zulässig, auf die vermutlich synkarzinogene Wirkung des Rauchens für Lungenkrebs, Blasenkrebs und Kopf-Hals-Krebs in Analogie zu den Beobachtungen bei Exposition gegenüber polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAH ́s) und Pyrolyseprodukten hinzuweisen. Für Kopf-Hals-Karzinome konnte gezeigt werden, daß der kombinierte Konsum von Tabakrauch und Alkohol zu einem multiplikativ gesteigerten Risiko führt. Nach den Ergebnissen der Heidelberger Fall-Kontroll-Studien (469 Kopf-Hals-Tumorpatienten versus 1876 Kontrollprobanden) zeigte sich bei einem kombinierten Tabakund Alkoholkonsum ein dosisabhängiges multiplikativ erhöhtes Risiko, an einem Kopf-Hals-Karzinom zu erkranken. Als neuer Faktor krebsepidemiologischer Betrachtungen ist die Suszeptibilität, also die Empfindlichkeit eines Individuums gegenüber kanzerogenen Stoffen zu nennen. In diesen Bereich fallen die Enzympolymorphismen, DNA-Reparaturkapazität, Mutagensensitivität sowie der immunologische A. Dietz1 • H. Maier2 1 Schriftführer der Arbeitsgruppe Berufskrebs, Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor:Prof.Dr.H.Weidauer) 2 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Berufskrebs, Abteilung für HNO, Kopfund Halschirurgie, BWK Ulm (Leitender Arzt:Prof.Dr.H.Maier, Oberstarzt)

DOI: 10.1007/s001060050445

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@article{Dietz1999SynkarzinogeneseBU, title={Synkarzinogenese Beruf und Krebs im Kopf-Hals-Bereich}, author={Authorhenry Dietz and H. H. Maier}, journal={HNO}, year={1999}, volume={47}, pages={684-687} }