Prinzipien und Techniken der unfallchirurgischen Erstversorgung am Einsatzort

Abstract

1082 Die optimale initiale Versorgung traumatisierter Patienten ist auch für den chirurgisch erfahrenen Notarzt nicht einfach. Schwierige Umgebungsbedingungen erfordern darüber hinaus ein pragmatisches Vorgehen sowie eine situationsadaptierte Kompromissbereitschaft bezüglich einer schnellen und effektiven orientierenden Diagnostik und Therapie. Diese Arbeit bietet Empfehlungen zur notärztlichen Erstversorgung von Unfallverletzten. Hierbei sind die Maßnahmen prinzipiell in solche aus „vitaler“ und solche aus „nicht vitaler Indikation“ zu unterteilen. Die unfallchirurgisch notärztliche Erstversorgung am Einsatzort muss suffizient und schnell sein. Therapiefreie Intervalle führen zu einem deutlichen Ansteigen der Letalität. Daher sind nicht nur kürzestmögliche Alarmierungsund Anfahrtszeiten anzustreben, sondern ebenfalls kurze Verweilzeiten am Unfallort selbst. Ziel ist, in möglichst kurzer Zeit in der nächstgelegenen geeigneten Klinik weiterführende diagnostische und therapeutische Maßnahmen einzuleiten. Erstes entscheidendes Glied in der Rettungskette von Unfallverletzten ist die kompetente und rasche Versorgung an der Unfallstelle. Dies gilt nicht nur für Patienten mit Einzelverletzungen, sondern insbesondere auch für Polytraumatisierte. Effiziente und schnelle notärztliche Maßnahmen in Diagnostik und Therapie sind für das Outcome von entscheidender Bedeutung. Für eine optimale notärztliche Strategie liefert die Literatur wenig wissenschaftlich fundierte Daten, so dass die meisten Empfehlungen auf der Erfahrung einzelner Notärzte basieren. Selbst grundsätzliche taktische Fragestellungen bei der Polytraumatisiertenrettung sind nicht entschieden. Während in Nordamerika dem schnellstmöglichen Transport ohne aufwendige ärztliche Primärversorgung („scoop and run“, bei uns besser bekannt als „load and go“) in eine traumatologische Einheit der Vorzug gegeben wird, gilt bei uns die „primäre Stabilisierung“ durch den ausgebildeten Notarzt am Unfallort vor dem Transport ( „stay and play“) als die günstigere Strategie.Auch zu den meisten sonstigen notärztlichen Maßnahmen (sofern sie die Sofortmaßnahmen der „ABC“-Regel überschreiten) liegen nur vereinzelt valide Daten vor. Die in diesem Beitrag ausgesprochenen Empfehlungen sind daher als „evidenced based medicine level I“, also als Expertenmeinung zu verstehen. Zwei differierende Szenarien verlangen vom Notarzt grundsätzlich verschiedene Strategien. Zum einen ist dies der Einzelverletzte, bei dem „individualmedizinisches“ Vorgehen selbstverständlich ist. Demgegenüber steht der Massenanfall von Schwerstverletzten, welcher primär eine Triage erforderlich macht und Einzelinteressen unberücksichtigt lassen muss. Kompetente und rasche Versorgung an der Unfallstelle

DOI: 10.1007/s001130170024

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@article{Beck2001PrinzipienUT, title={Prinzipien und Techniken der unfallchirurgischen Erstversorgung am Einsatzort}, author={Alexander Beck and Florian Gebhard and Lothar Kinzl and Wolf Strecker}, journal={Der Unfallchirurg}, year={2001}, volume={104}, pages={1082-1099} }