Oberschenkelbruch und unfallversicherung

Abstract

Gegenfiber den sozialwirtschaftlichen Wirkungen des Unfallversicherungsgesetzes gewinnt allm~hlich eine eigenartige Erscheinung erhShte Bedeutung, welche wir als eine Einwirkung auf die ~irztliche T~tigkeit selbst bezeiehnen kSnnen. A]s Ausgangspunkt dieser Erschehmng haben wir die durch die Fortschritte der medizinischen Wissenschaft, namentlich durch Verwertung der RSntgenstrahlen gegebene MSglichkeit zu betrachten, Unfallver]etzungen nicht nur eine wirksamere chirurgische Behandlung angedeihen lassen, sondern auch den schliesslichen Heilerfolg genauer beurteilen und bewerten zu k5nnen. Letztere Tatsache ist fiir den praktischen Arzt yon grSsster Wichtigkeit zunS~chst yore rein privatwirtschaftlichen Standpunkte aus. Ich denke bier a n die Gefahren, welche uns i~rzten aus einer ung[instigen Auslegung der Bestimmungen des Haftpflichtgesetzes entstehen kSnnen. Die Beobaehtungen, welche sich mir bei meiner Zuziehung als Sachverst~indiger in einer ganzen Reihe yon IIaftpflichtprozessen gegen den behandelnden Arzt aufdr~tngten, veranlassen reich vor einer Untersch~tzung dieser Gefahren eindringlich zu warnen. Von h'ieht~irzten geleitete RSntgeninstitute spielten bei dieser Gelegenheit eine gewisse Rolle. Die MSglichkeit einer sachgemiisseren Behandlung und einer zutreffenderen Beurteihmg des tteilerfolges mit Riicksicht auf die sp~tere Erwerbsf~higkeit se tzen den Arzt auch erst in den Stand, seinerseits den ihm aus der Durchfiihrung des Unfallversicherungsgesetzes zufallenden Obliegenheiten in zufriedenstellender Weise geni~gen zu kSnnen. Das Unfallversicherungsgesetz verlangt yore Arzte nicht nur die Heilung des Verletzten, sondern auch die Beibringung der Unterlagen fiir die schliessliche Rentenfestsetzung, wie solche fiir eine sichere bureaum~issige Erledigung des Falles durch die Berufsgenossenschaft, event, fiir die Verhandlungen vor dem Schiedsgerichte oder dem Reichsversicherungsamte n i c h t entbehrt werden kSnnen. Die mit der Erledigung dieser Aufgaben verbundenen Schwierigkeiten miissen sich dem weniger geiibten, gewissenhaffen Arzte immer in recht unangenehmer Weise fiihlbar machen. Namentlich die ~rztliche Absch~itzung der Erwerbsverminderung bedingt die sichere Beurteilung der Bezielmngen, welche zwischen den Verletzungsfolgen

DOI: 10.1007/BF02659956

Cite this paper

@article{Liniger2007OberschenkelbruchUU, title={Oberschenkelbruch und unfallversicherung}, author={Hanspeter Liniger}, journal={Archiv f{\"{u}r Orthop{\"a}die, Mechanotherapie und Unfallchirurgie}, year={2007}, volume={5}, pages={99-137} }