Neue Techniken in der Unfallchirurgie

  • Published 1997 in Der Orthopäde

Abstract

Technologie und Technik beeinflussen Orthopädie und Unfallchirurgie mehr als andere Fachgebiete. Das erfordert nicht nur ein entsprechendes Verständnis für diese besonders technisch ausgerichteten Disziplinen, sondern auch ein Schritthalten mit einer zunehmenden Informationsflut. Die Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich von Diaund Metaphyse basieren auf einem erweiterten Verständnis der Heilungsvorgänge an Knochen und Weichteilen. Gestützt auf diese Erkenntnisse wurden Techniken entwikkelt, die den anatomischen, mechanischen und biologischen Erfordernissen besser gerecht zu werden scheinen. So berichtet C. Krettek et al. über neuentwickelte minimalinvasive Zugangsund Stabilisierungsverfahren unter Verwendung von konventionellen und speziellen winkelstabilen Plattensystemen. Die Autoren zeigen aber auch, daß mit den neuen geschlossenen Techniken präzise Hilfsmittel zur Einhaltung korrekter Achsenverhältnisse erforderlich sind und geben dazu spezielle, praxisorientierte Lösungen an. Den neuen Behandlungstechniken bei intraartikulären Verletzungen von Ligamenten, Knorpel, Menisken und Gelenkfrakturen ist der Beitrag von P. Lobenhoffer et al. gewidmet. Im Beitrag von M. Blauth wird deutlich, daß der Trend zur Minimierung des iatrogenen Weichteilschadens auch in der Wirbelsäulenchirurgie zu beobachten ist: Semiperkutane, kanülierte Systeme zur transartikulären Verschraubung C1/2 und transthorakale/ transabdominale endoskopiegestütze Techniken sind einige der neuen, gegenwärtig evaluierten Wege. Die Minimierung des iatrogenen Weichteilschadens ist neben Präzisionsverbesserung und Reduktion von Röntgenstrahlen auf lange Sicht ebenfalls Ziel der computerassistierten Wirbelsäulenchirurgie. U. Berlemann et al. aus der Forschergruppe um L. Nolte in Bern demonstrieren aktuelle Entwicklungen und das enorme Potential dieser neuen Form chirurgischer Technik. Für resorbierbare, kompressionsfeste Knochenzemente zur Abstützung posttraumatischer, spongiöser Impressionszonen besteht in Zeiten eines zunehmenden geriatrischen Krankenguts steigender Bedarf. L. Claes et al. beschreiben Grundlagen und Entwicklung dieser Stoffgruppe, die gerade in den letzten Jahren vermehrt im Mittelpunkt des Interesses von Orthopäden und Unfallchirurgen stand. Dem Einsatz von resorbierbaren Implantaten widmet sich der Beitrag von Rehm et al. Er setzt sich vor allem mit Polylactidstiften auseinander und präsentiert die Ergebnisse einer breit angelegten, prospektiv randomisierten multizentrischen Studie mit 183 Radiusköpfchenfrakturen. Weichteildefekte sind für Unfallchirurgen und Orthopäden stets ein Thema. In dem systematisch angelegten Beitrag von A. Berger wird, basierend auf den Erfahrungen von über 1200 freien mikrovaskulären Gewebetransplantationen über Fortschritte, Möglichkeiten und Differentialindikation der verschiedensten Weichteildeckungstechniken berichtet. Wegen der starken Abhängigkeit der Unfallchirurgie von bildgebenden Verfahren kommt der Kooperation mit der Radiologie eine herausragende Bedeutung zu. Schnellere und höher auflösende CTund MRT Untersuchungen, digitale Bildarchivierung, Subtraktionstechnologien und die Bereitstellung von Schnittstellen zur Computernavigation sind nur einige neue Entwicklungen, die im Beitrag von K.Wolf und K. Bohndorf präsentiert werden. Wie in Zukunft in Unfallchirurgie und Orthopädie über Lösungsansätze nachgedacht werden kann und muß, wird im abschließenden Beitrag von T. Gehrich et al. deutlich. Er zeigt, daß die Manipulation von Vorgängen auf subzellulärer Ebene einschließlich der genetischen Informationen zur Verbesserung von Heilungsvorgängen bei Verletzungen des Bindeund Stützgewebes keine Utopie mehr ist. Das vorliegende Heft soll nicht nur „Techniken“ aufzeigen, sondern auch werten. Wertung setzt Erfahrung voraus – Erfahrung mit größeren Fallzahlen, die in der Regel für „neue Verfahren“ noch gar nicht vorliegen können. Ein Themenheft wie dieses bewegt sich somit auf einem schmalen Grat. Lesen Sie selbst, ob den Autoren diese Gratwanderung gelungen ist.

DOI: 10.1007/s001320050107

Cite this paper

@article{1997NeueTI, title={Neue Techniken in der Unfallchirurgie}, author={}, journal={Der Orthop{\"a}de}, year={1997}, volume={26}, pages={407-407} }