Mitteilungen BCD und DGK

Abstract

Am 14.07.2014 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit Dr. Dieter Staimmer (geb. 23.01.1935), ehemaliger Chefarzt der 1. Chirurgie des Städt. Klinikums München – Neuperlach mit dem Schwerpunkt Analund Rektumchirurgie. Dr. Staimmer war ein Chirurg, der sich schon sehr früh mit der Spezialisierung auf kolorektale Erkrankungen beschäftigte. Im Juli 1973 trat er als Oberarzt von Chefarzt Wilhelm in die erste chirurgische Abteilung des Städt. Klinikums München – Neuperlach ein, wo die kolorektale Chirurgie als Schwerpunkt dieser Abteilung auch bald auch sein bevorzugtes Arbeitsgebiet wurde. Ende 1976/Anfang 1977 verbrachte er 6 Monate als Gastarzt von Sir Alan Parks an der Londoner St. Mark‘s Klinik, dem damals unbestrittenen koloproktologischen Mekka. In den weiteren Jahren 1977 bis 1982 operierte er dann zusammen mit Sir Alan als Konsiliararzt zahlreiche Fälle am Klinikum Neuperlach. In jene Jahre fiel eine Reihe von Operationen, die Dr. Staimmer mit oder ohne Parks in Deutschland zum Teil erstmals ausführte, wie die transanale Abtragung großer Rektumpolypen mit der sog. Proktomukosektomie (PME), die lokale Rektumvollwandexzision bei kleinen Karzinomen, die ersten tiefen Rektumresektionen mit Analanastomose und die ersten Ileumpouche, noch in W-Form mit Analanastomose nach Proktokolektomie. So war es für Dr. Staimmer auch selbstverständlich, in den Jahren 1980/1981 die ersten Anastomosenversuche mit dem russischen Vorläufer der Stapleranastomosen, dem AKA 2, der „Russian Gun“, durchzuführen. Wie ein roter Faden zieht sich aber durch Staimmers Tätigkeit das Bemühen, die tiefe anteriore Rektumresektion beim Mastdarmkrebs – anatomisch gesprochen – immer tiefer über die üblichen Grenzbereiche vorzuschieben, die durch technische Schwierigkeiten und onkologische Radikalitätsansprüche damals gezogen waren. Er tat dies in einer Zeit, in der die abdominoperineale Rektumexstirpation noch den absoluten Status „Heiliger Kühe der Chirurgie“ hatte. Man stelle sich vor, es hätte bereits zu dieser Zeit Leitlinienmodelle gegeben. Daher war es nicht verwunderlich, dass dieses Vorgehen mit heftigen Begleitkommentaren der chirurgischen Gemeinde verbunden war. Weitere technische Neuerungen, wie der ABS, die dynamische Grazilisplastik als auch die Anopexie nach Longo (Erstoperation 1998) wurden von ihm unterstützt und eingeführt. Im Jahr 1996 wandelte die Stadt München als Eigentümer der Kliniken die Positionen der leitenden Ärzte in Chefärzte um. Betrachtet man das Curriculum von Dr. Staimmer bis zu diesem Zeitpunkt, so war dies in seinem Fall längst überfällig und mehr als verdient. Eigentlich trat Dr. Staimmer trotz zahlreicher neuer Operationen, enormer Erfahrung und Expertise publizistisch wenig hervor. Es lag ihm wohl nicht. Trotzdem ist sein Bekanntheitsgrad beneidenswert gewesen. Als Dr. Staimmer im Jahr 2000 dann den verdienten Ruhestand antrat, war der Grundstein für die erfolgreiche Erweiterung in die Spezialisierung der Koloproktologie nach dem angloamerikanischen Modell gelegt. So sind wir stolz darauf, in Neuperlach die wegweisende Entwicklung einer Abteilung für spezialisierte hepatobiliäre Chirurgie, „upper GI“, Pankreaschirurgie und Koloproktologie unter dualer Führung gegangen zu sein. Es ist das Verdienst von Dr. Staimmer, dass die Koloproktologie in Neuperlach ein erfolgreiches Zuhause gefunden hat. Wie Sir Alan Parks in seinem Zeugnis für Dr. Staimmer in unglaublicher englischer Knappheit formulierte: Er arbeitete – „extremly hard“ – nichts war ihm zu viel und ihn zu haben freute mich „a great deal“ – besser kann man‘s doch nicht formulieren. Abschließend noch die visionäre Einschätzung der Zukunft durch Sir Alan: Gib ihm die Chance sich zu spezialisieren, I think he will do it very well – er wird alle Mühen auf sich nehmen (...) And do the job very thoroughly and äußerst gewissenhaft (...). Yes Sir Alan, he did it excellently. Neben der Etablierung der Proktologie und Rektumchirurgie in München war es Dr. Staimmers großes Bestreben, der Proktologie auch innerhalb der Deutschen Gesellschaft einen höheren Stellenwert zu verschaffen. Im Jahr 1995 veranstaltete das Klinikum Neuperlach das jährliche Herbstsymposium der chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Proktologie (CAP) in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Dr. Staimmer unterstützte auch die logische Erweiterung der Arbeitsgemeinschaft in den Folgejahren zur CACP unter Einbezug des Kolorektums. Darüber hinaus engagierte er sich bei der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) durch zahlreiche Vorträge. Dr. Reinhard Ruppert Im Namen der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) und der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Coloproktologie (CACP)

DOI: 10.1007/s00053-014-0483-4

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@article{Staimmer2014MitteilungenBU, title={Mitteilungen BCD und DGK}, author={Dieter Staimmer}, journal={coloproctology}, year={2014}, volume={36}, pages={421-422} }