Krankheitsursachen in der Psychiatrie

Abstract

1)le Schwierigkeiten, d ie sich der Erforschung der Krankheitsursachen in der Psychiatr ie entgegenstdlen, haben ihre Grundlage in physiologischen und pathologischen Tatsachem Auf der eineli Seite ist es die fast vollstgndige Unm6glichkeit, das erkrankte Organ in lebendem Zustande physikalischer, chemischer oder anatomischer Untersuchnng zug~nglich zu machen, sowie der groBe individuelle Unterschied der FunktionsguBernngen des Gehirns, die uns den Einblick in das pathologische Gescheheli erschweren; auf der andereli Seite stelIen sich uns beim Suchen nach Krankhei tsursachen dor t Hindernisse entgegen, wo die pathologischen Vorggnge nicht pr im/ir im Gehirn aligreifen 87 wo die psychiatrischeli ITM erst die Riickwh'kung pathologischer Prozesse sind, die sich in anderen, ans den tTM nicht erkennbaren Teilen des Organismns abspielem Trotz dieser Schwier igkeiten haben die Beobachtungen a m Krankenbe t t und anschlieBende. Forschungen dazu geffihrt, dag unsere Kelintnis der Ursachen der Geisteskranldleiten heute eine brauchbare Grundlage fiir wissenschaftliche Arbei t und praktische Bediirfnisse bietet . Die Unterscheidung in exogene und endogene Psychosen ha t fiir die Frage der Krankhei tsursachen ein festes Geriist geschaffen, an dan sich die ~tiologischen Probleme anlehnen und anpassen. Es i s t eine in der k l in ischen Medizin immer deutl icher werdende Erkenntnis, daB die Frage der Pathogenese einer Krankhei t nicht mit dem AuIfinden einer tTM erledigt is*, sondera , dal3 es weiter da rauf ankommt, die Be: dingungari zu er forscheli unter denen die ITM wirksam werdell k6nnen ulld in dem einzelnen Falle wirksam geworden siud. Unterschiede dieser Bedingungen werden bes t immt einerseits durch die Eigenarten der Krankheitsursachen, andererseits durch die des erkrankelideli Organismus. In der Psychiatr ie habeli die in dem erkrankenden Organismus liegenden Kralikheitsbedingungen, die wir mit dem Sammelbegriff. der Krankheitsdisposi t ion bezeichnen, eine groBe Bedeutung. Wie s ta rk das Interesse fiir diese Seite grztl icher Forschung ist, zeigen die Bemfihungell neuerer Zeit t lm die Konsti tut ionspathologie. Neben Krankhei tsursache und Krallkheitsdispositiol! komfilt in der-Psychiatr ie ebenso wie in anderen Gebiœ der klinisehen Medizin als pathogenetisches Moment die Lebenskonstellation in Betracht . Ihre Bedœ fiir die Ents tehung psychischer tTM ist in i f i h e r e r Zeit we i t i iberschMzt worden; auch heure noch ist die Neigung sie Zu fibersch/Ltzeff in Arztekreisen groB und weit verbreitet . Nur psychologische Wirkungeli nus der Lebenskonstellation habenl in der Psychiatr ie nebeli den exogenen und elldogenen Krankhei tsfaktoren eine eigene pathogenetische I3edeutung; diese beschrgnkt sich Ias t nur auf die Ents tehung psychopathischer Reaktionen, sie is t belanglos fiir die Pathogenese der Psychosen. tTM liche Nachteile, die sick aus der Lebenskonstellat ion ergeben, werden in de 9 Psychiatr ie zu selbst~ndigen oder mitwirkendeli exogenen Krankheitsfaktoren. Die-tggtichell Erfahrungen zeigen, daB wir drei Gruppell der psychischeli Erkrank ̈ unterscheiden k6nnen, je nactldem die Wirkung t o n Krankheitsursache, Krankhei tsdisposition oder Lebenskonstel lat ion a n st/irksten hervor t r i t t . Diese" Gruppen sind ~]edoch nicht scharf voneinander zu trennen, sie bilden nlir einen Rahmen, in den sich die Gesamtheit der psychischen Erkrankungen hineinpaBt. " Bel den exogenTM Psychosen ha t eine iiberwiegende pathogenetische Wirkung die exogene H 9 die wir hier

DOI: 10.1007/BF01726218

Cite this paper

@article{Seelert2005KrankheitsursachenID, title={Krankheitsursachen in der Psychiatrie}, author={Professor Dr. Hans Seelert}, journal={Klinische Wochenschrift}, year={2005}, volume={2}, pages={1389-1391} }