Kinderpathologie

Abstract

Die Kinderpathologie als Subspezialität der Allgemeinpathologie unterscheidet sich auf den ersten Blick durch das dia­ gnostische Spektrum. Dies umfasst die Entwicklungspathologie des Embryos, des Fetus und der Plazenta, die Perina­ talpathologie einschließlich der Adapta­ tionspathologie des Neugeborenen, die Pathologie der Wachstumsstörungen und der angeborenen Stoffwechselerkran­ kungen. Ihre Diagnostik setzt voraus, dass Kinderpathologen mit der physio­ logischen Entwicklung und der sich mit dem Wachstum verändernden Normbe­ funde ebenso vertraut sind wie mit den hiervon für die jeweilige Altersstufe ab­ weichenden pathologischen Befunden. Ständig müssen die makroskopischen und mikroskopischen Befunde vor dem Hin­ tergrund dieser wechselnden Morpholo­ gie der normalen Entwicklung und Dif­ ferenzierung beurteilt werden. Diagnose­ kriterien, die für Erwachsene gelten, sind für Kinder in der Regel unzutreffend. Diese zusätzliche dynamische Dimen­ sion in der Bewertung pathologischer Ver­ änderungen unterscheidet Kinderpatho­ logen von Allgemeinpathologen und stellt zusätzliche Anforderungen an die Ausbil­ dung. Daher gilt die Kinderpathologie in­ nerhalb der Pathologie als ausgewiesenes Spezialgebiet. Da es Aufgabe der Kinder­ pathologie ist, maßgeschneiderte Diagno­ sen zu stellen, die kindgerechte Therapie­ konzepte ermöglichen, ist die Kinderpa­ thologie immer auch ein zentraler Teil­ bestandteil der pädiatrischen Diagnostik. Dementsprechend arbeiten Kinderpatho­ logen immer eng mit Spezialisten der Gy­ näkologie und Geburtshilfe, Humange­ netik, Kinderchirurgie, Kinderorthopä­ die und Pädiatrie zusammen. Anlässlich der jährlichen Arbeitsta­ gung der deutschsprachigen Kinderpa­ thologen lud Fr. Prof. Dr. Müller, Kinder­ pathologie der Universitätsklinik Bonn, Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem interdisziplinären Arbeitsgespräch in das Bonner Universi­ tätsklinikum (. Abb. 1). In zahlreichen Vortragsblöcken wurde über Themen der Fetalpathologie und Abortdiagnostik, über neue Erkenntnisse zur Diagnostik, Molekularbiologie und zur Therapie ma­ ligner pädiatrischer Tumoren sowie pneu­ mologische, kardiologische und gastroen­ terologische Fragen diskutiert. Rund 15–20% der klinisch erkannten Schwangerschaften führen zu einem Spontanabort. Wie Prof. Haaf, Mainz, ausführte, sind insbesondere in der Früh­ schwangerschaft neben Aneuploidien des Chromosomensatzes Veränderungen der genomischen Prägung (sog. epigenetische Veränderungen) häufige Ursachen einer Fehlbildung oder eines Aborts. Dank neuester Ultraschalltechnik können diese laut Dr. Rösing, Bonn, bereits sehr früh in der Schwangerschaft diagnostiziert wer­ den. Dass identisch imponierende Fehl­ bildungen jedoch im Rahmen verschie­ dener Erkrankungen auftreten können, verdeutlichte Dr. Heller, Köln, am Bei­ spiel der Arthrogryposis multiplex con­ genita. Dann ermöglicht oft erst die mit­ hilfe der Obduktion des Fetus (mit karyo­ typischer Analyse und radiologischen Un­ tersuchungen) erhobene Diagnose den Humangenetikern die korrekte Einschät­ zung eines möglichen Wiederholungsri­ sikos bei Folgeschwangerschaften und die individuelle Beratung der betroffenen El­ tern. Prof. Rehder, Wien, wies darauf hin, dass für diese Diagnosestellung spezielle Untersuchungstechniken und Fachkennt­ nisse erforderlich sind. Bei der Frage nach

DOI: 10.1007/s00292-009-1211-7

Cite this paper

@article{GrtlLackner2009Kinderpathologie, title={Kinderpathologie}, author={Dr. B. G{\"{u}rtl-Lackner}, journal={Der Pathologe}, year={2009}, volume={30}, pages={481-482} }