Ist der Hodentumor ein „Model“? („Model“, engl.: Vorführdame, Mannequin)

Abstract

Seit etwa 20 Jahren genieût der Hodentumor in der klinischen Onkologie eine Ausnahmestellung als heilbare Krebserkrankung. Pro Jahr sterben in Deutschland nur noch ca. 180 von 3000 (6 %) der neuerkrankten Patienten mit Hodenkarzinom. Dies entspricht statistisch der stadienkorrelierten, errechneten Sterblichkeit [1]. Diagnostik und Therapie gelten als beispielhaft standardisiert. Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie zum Hodentumor werden noch in diesem Jahr publiziert. Gibt es überhaupt noch etwas Neues zu berichten? Wie das vorliegende Heft zeigt, bleibt das Thema weiterhin spannend. Die wichtigsten Meilensteine der molekularpathologischen Genese der Hodentumoren stellen Heidenreich et al. anschaulich dar. Die Erforschung der ungehemmten Zellzyklusaktivierung (z. B. über Cyklin D2) mit konsekutiv verhinderter Apoptose ist eine Aufgabe spezialisierter Molekularbiologen geworden und ihre Ergebnisse sind für die urologischen Tumoren ebenso wichtig wie für das Mammakarzinom. Wichtige neue Errungenschaften wie die Entdeckung der c-Kit/SCF-Interaktion spielen sowohl in der normalen Spermiogenese (molekulare Andrologie) als auch in der Hodentumorentstehung eine Rolle. Zytogenetische Befunde (12p-Isochromosom/12q-Deletion), die sich inzwischen mit den molekularbiologischen Daten decken, lassen aus einzelnen Puzzleteilchen nun langsam ein Bild der Tumorgenese entstehen. Die Beschäftigung mit der Molekularpathologie der Hodentumoren dient dabei der Aufklärung der molekularen Tumorentstehung überhaupt. Nachdem diese Basisforschung über die USA und die Niederlande nun auch profunde Standbeine in Deutschland hat, ist es für jüngere Kollegen einfacher und lohnend, sich über die Grundlagenforschung beim Hodenkarzinom repräsentativ mit der Tumorund Metastasenbiologie zu beschäftigen. Bei kaum einer Krebserkrankung sind die Fortschritte in der Diagnostik klinisch so bedeutend geworden wie beim Hodentumor. Auch die Positronenemissionstomographie (PET) wird maûgeblich am Hodentumor verfeinert. Die genauen Kenntnisse der Metastasierungswege und die rasche Proliferation von Keimzelltumoren werden dieser neuen Technik sehr bald definierte Indikationsbereiche eröffnen. Die Ergebnisse von Müller-Mattheis et al. weisen darauf hin, daû PET bei der Diagnostik für das Stadium I zu keiner Verbesserung gegenüber der Computertomographie führt. Gewinnbringend erscheint diese neue Methode zur Beurteilung eines Residualtumors nach induktiver Chemotherapie. Leider ist jedoch offenbar keine Unterscheidung zwischen reifem Teratom und Narbe bzw. Nekrose möglich. Definitive Aufschlüsse sind von der soeben initiierten Multicenterstudie der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onko-

DOI: 10.1007/s001200050221

Cite this paper

@article{Albers2016IstDH, title={Ist der Hodentumor ein „Model“? („Model“, engl.: Vorf{\"{u}hrdame, Mannequin)}, author={Prof. Dr. med. Peter Albers and Kent Kleinschmidt}, journal={Der Urologe}, year={2016}, volume={37}, pages={591-592} }