Infektionen in der Nephrologie

Abstract

Infektionen spielen in der Nephrologie auf verschiedenen Ebenen eine wichtige Rolle. Akute bakterielle oder virale Infektionen können bei besonders prädisponierten Patienten Anlass eines akuten Nierenversagens sein. Wichtiger sind weltweit die chronischen Infektionen. Hepatitis C und andere chronische Infekte können die immunologische Ursache für eine Reihe von glomerulären Erkrankungen wie die membranöse Glomerulonephritis oder die mesangial-proliferative Glomerulonephritis sein. Infektionen der Niere und der ableitenden Harnwege selbst sind weltweit eines der größten Probleme. Auch in der Transplantationsmedizin sind rezidivierende Infektionen der ableitenden Harnwege wichtig und als großes Problem erkannt. Infekte unter Immunsuppression, welche wie die Polyomanephropathie direkt die Niere befallen, sind in den letzten Jahren zu einem virulenten Problem geworden. Im vorliegenden Heft von Der Nephro­ loge haben wir das Thema Infektionen in der Nephrologie von verschiedenen Seiten beleuchtet. Harnwegsinfekte sind nach wie vor eines der häufigsten Probleme in der Nephrologie. Wir haben deshalb Herrn Kollegen Sester aus Homburg gebeten, nochmals die leitlinienbasierten Grundzüge der Diagnostik und Therapie darzustellen. Gerade bei einer so häufigen und in der Regel unkomplizierten Erkrankung ist ein strukturiertes Vorgehen in der Diagnostik und Therapie wichtig, um Unnötiges zu vermeiden und eine optimale Therapie von Patienten zu garantieren. Offene Fragen bei dem Problemkreis Harnwegsinfekte betreffen die sinnvolle Diagnostik (Welche Untersuchungen müssen vor Beginn der Therapie durchgeführt werden?) und zweitens die Dauer der Therapie (Wie lange kann und soll ein Harnwegsinfekt behandelt werden?). Auch die Unterteilung von einfachen und komplizierten Harnwegsinfekten ist für die Beurteilung des jeweiligen Patientenproblems von Bedeutung. Ein wichtiges Problem stellen die Infekte bei Patienten mit chronischer bzw. terminaler Niereninsuffizienz dar. Insbesondere bei der Peritonealdialyse mit dem häufigen Wechsel von Flüssigkeiten und den damit einhergehenden Problemen der Kontamination sind sie von großer Bedeutung für den praktischen Alltag des Nephrologen. In den letzten Jahren hat sich die Qualität in der Versorgung der Peritonealdialysepatienten erheblich verbessert. Im Beitrag von Frau Prof. Haag-Weber sind die Qualitätsstandards sowie die dafür notwendigen Maßnahmen nochmals zusammengefasst. Insbesondere werden die unterschiedlichen prophylaktischen Strategien zur Vermeidung von Katheterinfekten und Peritonitiden herausgearbeitet. Eine große Rolle auf dem Gebiet der Infektion spielt die Sepsis als gefährlichste Komplikation. Die Pathogenese der Sepsis ist nach wie vor kompliziert und nicht vollständig verstanden. Die Rolle der Niere in diesem komplexen Geschehen steht dabei im Mittelpunkt. Ein akutes Nierenversagen erhöht das Risiko für die Patienten erheblich. Die in den letzten Jahren publizierten Arbeiten zum Einsatz von Dialyseverfahren bei Patienten mit sepsisinduziertem akuten Nierenversagen werden kritisch erläutert und diskutiert. Ein besonderes Problem stellen die Infektionen nach Nierentransplantation dar. Patienten unter Immunsuppression leiden häufig unter Infekten. Es wird dabei nach Infekten in der unmittelbaren Posttransplantationszeit und nach Infekten in der chronischen Phase der Transplantation unterschieden. Frau Prof. Schwarz arbeitet die unterschiedlichen Erkrankungen nach Transplantation und ihre Relevanz in der Betreuung der Patienten nochmals heraus. Nach wie vor ist die optimale Behandlung der Harnwegsinfekte nach Nierentransplantation nicht klar. Insbesondere bei Patienten mit häufig rezidivierenden Harnwegsinfekten ist die Pathogenese dieser Erkrankung nicht verstanden, und wir haben kein eindeutiges Konzept bei deren Therapie. Fortschritte bei anderen infektiösen Komplikationen nach Transplantation sind in den letzten Jahren gemacht worden und werden im Beitrag erläutert. Eine besondere Komplikation nach Nierentransplantation ist die Infektion mit Polyomavirus. Prof. Steiger erläutert die Fortschritte, die in den letzten Jahren im Verständnis dieser Erkrankung gemacht wurden und welche therapeutischen Strategien zum jetzigen Zeitpunkt eingesetzt werden können.

DOI: 10.1007/s11560-011-0577-8

Cite this paper

@article{Haller2011InfektionenID, title={Infektionen in der Nephrologie}, author={Prof. Dr. H. Haller and Prof. Dr. U. Kunzendorf}, journal={Der Nephrologe}, year={2011}, volume={7}, pages={287-288} }