Hinweise auf Artikel in dieser Ausgabe

Abstract

Wenige wissenschaftliche Entwicklungen haben die Stellung der Frau in der Gesellschaft, die ethischen Vorstellungen eines Zeitalters, das Leben der Menschen insgesamt so beeinflusst, wie die Einführung der „Pille“, die Trennung von Sexualität und Reproduktion. Diese Entwicklung ist untrennbar mit dem Namen Carl Djerassi verbunden, der 1938 von den Nazis aus Wien vertrieben wurde und später das oral wirksame ovulationshemmende Hormon Norethisterone als Basis der ersten Pille entwickelte. Bislang weitgehend unbekannt – wie der „Vater der Pille“ Carl Djerassi in einem Editorial darlegt – gehen Idee und Anfänge der oralen Kontrazeption auf Ludwig Haberlandt zurück, der in der Zwischenkriegszeit am Physiologischen Institut der Universität Innsbruck arbeitete. Wie in einer von seiner Enkelin verfassten Biographie geschildert, hat Ludwig Haberlandt schon ab 1919 in Tierversuchen nachgewiesen, dass eine temporäre Kontrazeption möglich ist. Später hat er klinische Untersuchungen aufgenommen und auch ein erstes Präparat entwickelt. Allerdings war Haberlandt mit diesem Projekt seiner Zeit zu weit voraus, stand damit im Gegensatz zu und in Konflikt mit den moralischen und religiösen Vorstellungen des damaligen Europa. Er wurde angefeindet und bekämpft, man warf ihm ein Verbrechen gegenüber dem ungeborenen Leben vor. Eine weitere berufliche Karriere war unmöglich geworden, er konnte seine Projekte nicht bzw. nur unter schwierigsten Bedingungen fortführen und beging 1932 Selbstmord. Erst mehr als 40 Jahre nach der Idee Ludwig Haberlandts kam 1961 – basierend auf den Arbeiten von Carl Djerassi – die erste Pille in den USA auf den Markt.

DOI: 10.1007/s00508-009-1289-1

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@article{Haberlandt2009HinweiseAA, title={Hinweise auf Artikel in dieser Ausgabe}, author={Ludwig Haberlandt}, journal={Wiener klinische Wochenschrift}, year={2009}, volume={121}, pages={V-VII} }