Grundsätzliches zu einer Differentialtherapie des Parkinsonsyndroms

Abstract

Jede Therapie geht yon best immten physiologischen Gesichtspunkten aus, auf denen sie sich aufbaut und mit deren Vertiefung, Verfeinerung oder gar Wandlung sie gleichen Schritt h~lt. Gerade die physiologische Erkenntnis ist ftir jede Behandtung direkt Voraussetzung. Um so bedauerlicher ist es, dab dieses notwendige Bindeglied zwischen der pathologischen Anatomie und der klinischen Symptomatologie in der Neurologie in nicht weni.g.en F~llen fehlt, wenngleich in letzter Zeit Ansgtze zu einer Anderung in dieser Richtung deutlich 'werden. Das gilt in gleiehem MaBe vom Parkinsonsyndrom, das, seitdem es yon seinem Entdecker im Jahre ~8I 7 beschrieben, nur zu einem geringen Teil Ms das Objekt physiologischer Untersuchung galt u n d vorwiegend der pathologisch-anatomiscl~en Forschung zufiel. Dieses einseitige Erfassen des Parkinsonproblems mit dem noch im Laufe der Zeit hinzutretenden Wandel der Anschauungen fiber die Lokalisation der Noxe -im Muskel, in den peripheren Nerven, im hormonalen System und schlieBlich in der Hirnsubstanz -haben zur physiologischen Fundierung einer Parldnsontherapie nu t schwerlich beitragen k6nnen. Vereinzelt steht ill der Geschichte der Therapie des Parkinson der anfangs hoffnungsvolle Versuch einer Einverleibung yon Paratbyreoidinhormon, ausgehend von der Annahme einer innersekretorischen Insuffizienz. W~hrend abet dieser Versuch kausaler Therapie keinen Erfolg zeitigte, hat sich die symptomatisehe Beeinflussung des Parkinsonsyndroms bereits bewghrt. Nut der Vollst~ndigkeit halber soll an dieser Stelle des in seinem therapeutischen Effekt noch umstr i t tenen Bulbocapnin und des v0n RosIN empfohlenen Striaphorin ~ gedacht werden. Dagegen hat sich das Alkaloid der Solanaceengruppe* als ein in der Tat einzig bewghrtes Therapeuticum im Laufe yon Jahrzehnten bewiesen. Das Bekanntwerden des Banisterin und die Einffihrung des Harmin in die Klinik des Parkinson hat in der J~zteschaft hinsichtlich der Behandlung neue t toffnungen erweckt. Auch dieses neue Mittel hat keinen kausalen, sondern nur einen symptomatischen Effekt. Dennoch stellt das t Ia rmin nicht nu t eine Vermehrung, sondern auch eine ]~ereicherung unseres Arzneischatzes dar. Denn mit ihm erhMt die fiberhaupt einzig m6gliche Einflut?nahme auf diese schwere unheimtiche Krankheit, die symptomatische Behandlung n~mlich, neue M6glichkeiten einer Modi[izierung der Therapie. Schon jetzt ist es an der Zeit --, die vorliegenden Erfahrungen fiber das Harmin gestatten es --, diese M6glichkeiten zu er6rtern und in die Behandlung des Parkinson ein ordnendes Prinzip einzufiihren. Im Iolgenden soll nun die Grundlegung einer DiJJerentialtherapie des Parkinsonsyndroms unternommen werden, die keineswegs auf Vollst~ndigkeit und Abgeschlossenheit Anspruch erhebt, dennoch als ffir eirmn weiteren Ausbau richtunggebender Versuch gelten soll. DaB die hierin gegebenen Anregungen auI der Theorie eines physiologischen Doppelmeehanismus in der Pathologie der Parkinsonschen Krankheit 2 und ferner auI der Anschauung yon dem corticopyramidalen Angriffspunkt des Harmin ~ ful3en, sei gleich hier erwS&nt. Dieser Versuch ist also auf der Grundlage gerade der physiol0gischen Erkenntnis vom Parkinsonsyndrom aufgebaut, die hierdurch auch in das Gesichtsfeld eines jeden Therapeuten gerfickt werden soll, damit er lediglich aus ihr, yon Fall zu Fall, seine therapeutischen Leits~tze folgern kann. Die Mannigfaltigkeit der Symptome des Parkinsonsyndroms hat schon vorher den Gedanken an ein zusammengesetztes Krankheitsbild aufkommen lassen. Doch gingen die diesem Gedanken zugrundeliegenden Beobachtungen nieht fiber die Symptomatologie hinaus. Die Auffassung vom physiologischen Doppelmechanismus des Parkinsonsyndroms

DOI: 10.1007/BF01748241

Cite this paper

@article{Halpern2005GrundstzlichesZE, title={Grunds{\"a}tzliches zu einer Differentialtherapie des Parkinsonsyndroms}, author={Dr. L. Halpern}, journal={Klinische Wochenschrift}, year={2005}, volume={10}, pages={983-985} }