Gibt es mobiles Lernen mit Podcasts? - Wie Vorlesungsaufzeichnungen genutzt werden

Abstract

Podcasts sind eine vieldiskutierte Möglichkeit kostengünstig Veranstaltungsaufzeichnungen zu erstellen und zu publizieren, und bieten somit potentiell vielen Personen die Möglichkeit zum mobilen Lernen. Im vorliegenden Artikel werden die bisherigen Erfahrungen zweier deutscher Hochschulen mit Veranstaltungspodcasts sowie die Ergebnisse von Befragungen studentischer (N=58) und hochschulexterner Nutzer/-innen (N=368) dargestellt. Es zeigt sich, dass die Podcasts vor allem extern auf breites Interesse stoßen, dass das Angebot aber meist zu Hause auf dem PC oder Laptop genutzt wird. Die Potenziale zum mobilen Lernen werden also aktuell noch nicht ausgeschöpft. Es ist zu erforschen, ob durch die erwartete Kostensenkung für mobile Geräte und mobilen Internetzugang die Potentiale mobilen Lernens durch die Nutzer/-innen verstärkt wahrgenommen werden. 1 Auf dem Weg zum mobilen Lernen Mobiles Lernen (M-Learning), nicht zuletzt vorangetrieben durch die stetig steigende Verbreitung von leistungsfähigen Mobilgeräten wie PDAs, Handys oder tragbaren Video/Audio-Abspielgeräten, wird auch an Universitäten und Fachhochschulen immer wichtiger. Neben den Vorteilen, die sich durch ortsund zeitunabhängiges Lernen mittels mobiler Endgeräte ergeben, gibt es viele Hürden für die Erstellung von M-Learning Inhalten zu beachten [TR03]. Typischerweise müssen Inhalte gerätespezifisch formatiert und konvertiert werden, um für verschieden Endgeräte angeboten werden zu können. Daher ist es in der Regel zu kostspielig für Universitäten, Lerninhalte speziell für mobile Endgeräte zu erstellen. In einem idealen Szenario sollten erstellte Lehr-/Lerninhalte sowohl für klassisches E-Learning als auch für M-Learning verwendet werden können. Ein anderer wichtiger Aspekt ist mit der Frage verbunden, wie potentielle Nutzer/-innen Zugang zu den Lernangeboten erhalten können. Die hohen Verbindungskosten, die entstehen, um beispielsweise mit einem Handy größere Daten von einem Internetportal zu übertragen, schrecken viele Anwender immer noch ab, obwohl die technischen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen gegeben sind. Eine vielversprechende Möglichkeit, universitäre Lerninhalte ohne größeren zusätzlichen Aufwand auch für mobile Endgeräte anzubieten, bietet die Podcasttechnologie. Podcasts sind eine neue Nutzungsform, die im Rahmen der so genannten „Social Software“ und des Schlagwortes Web 2.0 diskutiert werden. Gemeinsam ist diesen Entwicklungen, dass sie nicht die technischen Innovationen fokussieren, sondern die aktive Beteiligung der Benutzer in den Vordergrund stellen. Technisch gesehen sind Podcasts zunächst Mediendateien (Video und Audio), die über einen RSS-Feed leicht automatisch bezogen (abonniert) werden können. Ein einzelner Podcast ist eine Serie von Medienbeiträgen (Episoden), der sich am leichtesten mit dem Programm eines Radio bzw. Fernsehsenders vergleichen lässt. Der Hauptunterschied ist, dass die Sendungen nicht zu einem bestimmten Termin oder zu einer bestimmten Uhrzeit konsumiert werden müssen. Durch ein einmaliges Abonnieren des Programms (also des Podcasts) werden dem Anwender die jeweils neuesten Episoden bequem über einen Podcasts-Client (auch Podcatcher genannt) auf den eigenen PC übertragen. Der Podcatcher ermöglicht es dem Anwender, nicht nur bestimmte Sendungen zu abonnieren, sondern erledigt auch das automatisierte Herunterladen der neuesten Episoden auf die Endgeräte. Grundsätzlich gibt es derzeit aus technischer Sicht drei Hauptarten von Podcasts, die sich durch die verwendeten Dateiinhalte in den Episoden unterscheiden (s. Tabelle 1). Tabelle 1: Übersicht über die Hauptarten von Podcasts Name Dateiinhalte Format Beispiele für Abspielgeräte Audio Podcast Ton MP3,AAC alle MP3-fähigen Geräte: PC, Handys, MP3-Player Enhanced Podcast Ton + Bilder (z.B. Folien) + Links MPEG-4 Container+ AAC Datei PC, Apple-Geräte (iPod), einige Mobiltelefone 1 Video Podcast Ton + Video .MP4, .M4V, .MOV PC, tragbare Audio-/ Videoplayer wie PDA, Handys etc. Systematisch wird der Einsatz und der Nutzen von Podcasts in Lernund Bildungsprozessen in einer Kooperation zwischen Universität und Fachhochschule Osnabrück seit Januar 2006 erprobt. Dabei werden verschieden Podcastarten in unterschiedlichen Veranstaltungsszenarien eingesetzt. Teile des Osnabrücker Angebotes stehen dabei nicht nur den Studierenden der beiden Hochschulen zur Verfügung, sondern Interessierte konnten auch von außerhalb der Hochschulen leicht Zugang zu den Inhalten erhalten. Testweise wurden drei unterschiedliche Veranstaltungen hochschulintern über Veranstaltungswebseiten und auch extern über den Apple Musicstore iTunes zur Verfügung gestellt. 1 Mobiltelefone müssen Java unterstützen; erfordert technisches Verständnis Im zweiten Abschnitt dieses Beitrags werden die Podcastproduktion und die Verteilungsmöglichkeiten von Podcasts in der universitären Lehre ausgehend von den Osnabrücker Erfahrungen beschrieben. In den weiteren Abschnitten wird gefragt, ob und wie Podcasts, auch im Vergleich zu herkömmlichen Vorlesungsmitschnitten, von Nutzern und Nutzerinnen wahrgenommen und genutzt werden. Die berichteten Befunde zum ersten Osnabrücker „Podcastjahr“ beruhen auf insgesamt drei Evaluationsuntersuchungen. 2 Podcastproduktion und Einsatzmöglichkeiten innerhalb der universitären Lehre An vielen Universitäten werden Vorlesungen, Seminare etc. über Videosysteme aufgezeichnet und über Webseiten zur Verfügung gestellt. In Osnabrück wird dafür ein System mit dem Namen virtPresenter eingesetzt [MKV06]. Motivation zur Entwicklung dieser Systeme war es, auf einfache Weise E-Learning Inhalte zu erstellen und auf PC Systemen über ein Webinterface (meist Webbrowser) zu betrachten. Die mit diesen Werkzeugen aufgenommenen Videodateien bzw. daraus extrahierte Audiodateien lassen sich auch über den Podcast-Mechanismus verteilen. Für die Studierenden wird es dadurch leichter, den Überblick zu behalten, da der Podcast-Client immer alle Episoden anzeigt und herunter lädt. Quasi als Nebeneffekt können diese Dateien nicht nur auf dem PC, sondern auch auf mobilen Geräten benutzt werden. In Osnabrück ist dieser Prozess mittlerweile weitgehend automatisiert. Dabei startet die Produktionskette beim PowerPoint-Vortrag der Dozent/-innen und endet mit einer Verlinkung auf den zugehörigen Veranstaltungswebseiten. Ein Konzept, das die Podcasttechnologie in diese Produktionskette integriert, ist in [KMMV06] beschrieben. Am Ende der Kette steht neben einem Webinterface, das eine fein granulierte Folienund Videonavigation ermöglicht, auch eine Vorlesungsaufzeichnung für mobile Endgeräte in Form von Enhanced Podcasts bereit. Neben Podcasts in Form von Veranstaltungsaufzeichnungen wurden an den Osnabrücker Hochschulen (Fachhochschule und Universität) auch andere Podcasts in anderen Szenarien erzeugt. So wurden z.B. in Übungen und Seminaren von Studierenden eigens Podcasts zu bestimmten Themengebieten erstellt und für andere Studierende angeboten. Generell könnte eine Typologie des Podcast-Einsatzes an Universitäten folgende Punkte enthalten: Vorlesungsmitschnitte, Vorträge, Hörfunkbeiträge, Experimentelle Podcasts und Archivmaterial [Sc06]. Einige der Osnabrücker Hochschulpodcasts waren nicht nur internen Studierenden über das vorhandene Lern-Management-System Stud.IP vorbehalten, sondern es wurden auch Episoden über den sehr populären Musicstore von Apple (iTunes Musicstore) einer breiten Masse von unterschiedlichen Personen öffentlich angeboten. Dieser Musicstore integriert sich nahtlos in die von Apple kostenlos vertriebene Musiksoftware iTunes. Innerhalb des Musicstores können Kunden einen großen Katalog von Musiktiteln, Fernsehserien und Filmen durchsuchen und Titel erwerben. Neben den kommerziell angebotenen Titeln können aber auch kostenlose Podcasts zu den verschiedensten Themen eingestellt, gefunden und abonniert werden. Technisch ist es relativ einfach, einen eigenen Podcast in dem umfangreichen Angebot im Musicstore zu platzieren. Es reicht, den eigenen Podcast über ein Webinterface an Apple zu melden, und einige Tage später (nach einer redaktionellen Prüfung der Inhalte) finden sich die eigenen Sendungen schließlich auch im Musicstore Angebot. Für uns war hier die Frage interessant, wie sehr sich eine breite Öffentlichkeit für die Lehrangebote von Hochschulen interessieren und auch begeistern kann. Wie diese Angebote von den Abonnenten bewertet wurden und mit welchen Geräten Anwender die Angebote genutzt haben, wird in den folgenden Kapiteln näher untersucht.

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@inproceedings{Schulze2007GibtEM, title={Gibt es mobiles Lernen mit Podcasts? - Wie Vorlesungsaufzeichnungen genutzt werden}, author={Leonore Schulze and Markus Ketterl and Clemens Gruber and Kai-Christoph Hamborg}, booktitle={DeLFI}, year={2007} }