Funktionelle Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel Wissenschaftliche Gesichtspunkte

  • Burkhard Viell
  • Published 2001 in
    Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung…

Abstract

Unter den vielen neuen Lebensmitteln, die seit den letzten Jahren auf den deutschen Markt gelangen, sind zwei Gruppen von besonderem Interesse: funktionelle Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel. Beide Gruppen werden mit dem Anspruch vermarktet, der Gesundheit, der Leistung oder dem Wohlbefinden förderlich zu sein. Die Initiative für funktionelle Lebensmittel ging von Japan aus, wo besondere gesundheitsförderliche Lebensmittel als foods of special dietary use (FOSHU's) gesetzlich geregelt und einem Zulassungsverfahren unterworfen sind. In den USA wird ein etwas anderer Weg verfolgt. Auch hier wurde ein Gesetz geschaffen, mit dem aber ganz allgemein die Verbraucherinformation auf Lebensmitteletiketten ausgeweitet wurde. Dazu gehören sogenannte “health claims”, mit denen darauf hingewiesen werden darf, dass (spezielle) Lebensmittel helfen, das Risiko für bestimmte Krankheiten zu reduzieren. In Europa sind derzeit funktionelle Lebensmittel noch eher als Konzept als eine spezielle Lebensmittelgruppe anzusehen. Damit sollen Produkte entwickelt werden, die einen nachweislichen, d.h. wissenschaftlich überprüften Effekt “über die übliche Ernährung hinaus” bieten. Nahrungsergänzungsmittel sind keine normalen Lebensmittel, sondern Pillen oder Kapseln. Mit ihnen werden Stoffe oder Ingredienzien in konzentrierter Form angeboten. Die große Verschiedenheit der Substanzen und die Varianz in Konzentration und Dosierung spricht nicht für ein klares, wissenschaftlich fundiertes Ergänzungskonzept hinter den marktgängigen Nahrungsergänzungsmitteln. Durch den bisherigen Mangel an Transparenz bei den neuen Lebensmitteln wird eine zielführende Diskussion über Vor- und Nachteile und eine rationale Entwicklung dieser Lebensmittel behindert. Insbesondere sind Fragen zu Effektivität und Sicherheit von Bedeutung, deren überzeugende Beantwortung mit Blick auf den gesundheitlichen Verbraucherschutz ansteht. In the past years many different kinds of new foods have appeared on the German market. Two groups of them, functional foods and dietary supplements, are of special interest, as they are generally offered in order to improve health, performance or wellbeing. The initiatives which pushed forward functional foods as a group started in Japan, where special “health products” are developed and approved by the government as foods for special health use (FOSHU's). For these foods also special claims are allowed. In the USA, legislation was changed to enable the food industry to inform consumers in more detail about the possible health benefit of a certain food. Also so-called “health claims” were allowed, in which consumers learn about the suitability of special foods helping to reduce the risk of several diseases. Tentatively, functional foods can be regarded as a concept to design foods in order to provide an additional, scientifically proven benefit beyond that of meeting basic nutritional needs. In contrast dietary supplements are not ordinary foods, but pills or capsules. They offer substances or ingredients in concentrated form, and they are advertised to supplement an increased need of the human body for these substances. However, the great diversity of substances and the variance of concentrations and dosages, which can be found in dietary supplements suggest that there is no clear health promoting concept behind this particular kind of foods. One of the main problems with these new foods is the lack of transparency, i.e. the absence of an obligatory definition. By this, a straightforward discussion about advantages and disadvantages of these novelties is prohibited and the development of prudent products may be hindered. Moreover questions of effectiveness and safety of functional foods and dietary supplements have to be answered in a very specific way.

DOI: 10.1007/s001030050432

Cite this paper

@article{Viell2001FunktionelleLU, title={Funktionelle Lebensmittel und Nahrungserg{\"a}nzungsmittel Wissenschaftliche Gesichtspunkte}, author={Burkhard Viell}, journal={Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz}, year={2001}, volume={44}, pages={193-204} }