Einige Bemerkungen zu der Mitteilung von G. Pfeffer: „über Anwendung von Desoxycholsäure bei Gallensteinerkrankungen“

Abstract

Vor einigen Jahren habe ich reich eingehender n i t der chemischen Znsammensetzung der menschlichen Gallensteine beschMtight, die bisher yon der Forschung etwas stiefmfltterlich behandelt sind. Ich bin dabei zu einigen Ergebnissen gelangt, die n i t l~iicksicht auf die Frage der Gallensteinbildung nicht ohne Interesse sind, jedoch, zum Tell wegen des Ortes der Publikation, nicht zur allgemeinen l(enntnis gekommen zn sein scheinen. Als bisher ganz unbekannten ,,Bestandteil der menschlichen Gallensteine" babe ich die Desoxycholsaure aufgefunden2), welche dementsprechend an der Bildung der Gallensteine beteiligt ist. W~re d e n Berater der Firma Riedel diese Tatsache bekannt gewesen, so wfirde er schwerlich gerade die Desoxychols~ture zur Behandlung der Gallensfeinerkrankung herangezogen haben, w~hrend gegen die Anwenduag anderer Galiens~uren als Cholagoga nich• einzuwenden ist. Ob im vorIiegenden Falle die DesoxycholsXure als Cholagogum gewirkt hat, ist zweifelhaff, dazu ist die angewendete Dosis wohl zu gering; jede Tablette enth/ilt o,o88 Desoxychols~ure~), die in der IRegel gegebenen6Tabletten pro Tag enthalten also 0,52 Desoxychols~ure. Davon ist eine galIentreibende Wirkung wohl kaum zu erwarten, eher vielleicht yon den mitunter angewendeten ~,o Tabletten = 1,75 g Desoxychols~ure, damit w~chst aber anch die Gefahr einer schg.cllichen Wirkung dutch Ubergang der Desoxyehoisgnre in die Galle, wXhrend fflr die gallentreibende Wirkung die Dosis immer noch als ziemlich klein bezeichnet werden mug~). Inwieweit an den yon P ~ a beobachteten gflnstigen Erfolgen das in dem Pr~parat enthaltene Pfefferminz61 beteiligt gewesen ist, muB dahingestellt bleiben. Ms zweiten neuen Befund kann ich die Auffindung eines Gehaltes der menschIichen Gallensteine an freien Fetts~uren (Palmitins~ure und Stearins~ure) vielleicht auch des CatciumsMzes derselben bezelehnen. Bezfiglich der Abh~ngigkeit der Gallensteinbildung yon der chemischen Zusammensetzung der Galle mSchte ich auf meine Mitteilung in der Berliner klinisehen Wochenschrift (siehe unten) verweisen und hier nur so viel bemerken, dab es mir im Grunde n~cht recht verst~ndlich ist, warum die Frage der Gallensteinbildung den Pathologen und Klinikern soviel Kopfbrechen maeht. In der komplizierten Zusammensetzung der Galle sind die Bedingungen fflr die Bildung solcher Ausscheidungen, sei es nun palmitinsaurer Kalk, wie bei der Antolyse der Rindergalle, sei es desoxycholsaurer Kaik oder Cholesterin geradezu gegeben. Es brancht nur einer yon den Bestandteilen in zu groBer Quantit~t vorhanden zu sein, oder ein anderer in zu geringer, so ist die Gleichgewichtsst6rung da und es kommt zu Ausscheidungen. Entzfindliche Vorg~nge, durch welche die OberflXche in den Galleng~mgen oder der Gallenblase physikalisch ver~ndert wird oder abgestoBene Epithelien sind wohl Ms begtinstigende Momente fi~r die Ausscheidung eines Bestandteils anzusehen, Bedingung dafter sind sie aber sicher nicht. Ents teht einmal eine solche Ausscheidung, so wird sie Ms Fremdk6rper wirken nnd sich durch Apposition vergr6Bern. Ein Zuviel an Cholesterin, welches das L6sungsverm6gen der Gallens~uren flberschreitet oder ein Zuwenig an Gallens~uren bei normalem Cholesteringehalt oder ein ZuvieI an Palmitins~nre 'und CMcium kann sicher ftir sich allein schon eine Ausscheidung yon festen Gallenbestandteilen zur Folge haben. Wodurch solche Abweiehungen yon der normalen Zusammensetzung der Galle herbeigeffihrt werden, das ist Ireilich eine andere, nicht so leicht zu 16sende Frage, deren 13eantwortung vielleicht yon ausgedehnten ~rztlichen Beobachtungen zu erwarten ist.

DOI: 10.1007/BF01709903

Cite this paper

@article{Salkowski2005EinigeBZ, title={Einige Bemerkungen zu der Mitteilung von G. Pfeffer: „{\"{u}ber Anwendung von Desoxychols{\"a}ure bei Gallensteinerkrankungen“}, author={Prof. E. Salkowski}, journal={Klinische Wochenschrift}, year={2005}, volume={1}, pages={1368-1368} }