Eine weitere Bemerkung über „Glühwürmer und Evolution”

Abstract

In einem Aufsatz fiber ,,Gliihwfirmer und Evolution" (1948) habe ich die spezifische Anpassung erSrtert, die sich bei den Larven der zu den Mycetophiliden gehSrigen Fliege Arasch~ocampa (Bolifophora) luminalis yon Neuseeland findet. Dieser Bewohner von HShlen oder dunklen Schluchten zeigt einen ganzen Komplex yon anscheinend einzigartigen Merkmalen, die zusammen eine komplizierte, einheitlich wirkende 6kologische Anpassung bilden: die Larve ist, obgleich sie zu einer pilzfressenden Gruppe gehSrt, reiner Fleischfresser; sie baut ein Nest yon Schleimfgden, yon dem lange, mit klebrigen Tropfen besetzte Fangf/iden in betr~chtlicher Zahl herunterh~ngen; diese Nester sind an dem Dach der HShle oberhalb eines kleinen Wasserlaufs befestigt, in dem Mticken brtiten; die Larve leuchtet mittels eines besonderen Leuchtorgans, das yon den Endabschnit ten der MaP pighischen Gef~iBe gebildet wird; ferner leben die Laryen gesellig zu Hundert tausenden an einer Stelle; das yon ihnen allen erzeugte Licht lockt die Mticken an, welche an den Fangf~tden kleben bleiben und gefressen werden. In der ErSrterung dieser Erscheinung wurde betont, dab es schwer zu verstehen ist, wie eine so kunstvolle, nur durch das Zusammenspiel aller der oben erw~ihnten Merkmale wirksame Anpassung durch die Selektion einer gr613erenAnzahl einzelner kleiner Mutationen aufgebaut worden seifl kann. Die Suche nach vergleichbaren Erscheinungen fiihrte nur auf einen mSglicherweise ~ihnlichen Fall, der in einer HShle in Guatemala gefunden, aber nieht ausreichend geprttft wurde. Nach der Ver6ffentlichung meiner kleinen Mit= teilung hatte Professor O. HARNISCI-I in P15n die Freundlichkeit, reich auf eine Notiz von E~CSLIN (1906) aufmerksam zu machen. ENSLIN beschreibt das Verhalten der Larve yon Macrocera/asciata MEIG., die er in tier F6rsterhStde bei Waischenfeld im Fr~inkischen Jura gefunden hat. Diese h6hlenbewohnende Larve spinnt ein Netz aus schleimigen F~tden, auf und in dem sie sich umherbewegt. Sp~iter wurde dieselbe Larve in einem Keller in Stut tgar t gefunden, und hier wurde in einem einzelnen Fall eine kleine, an dem Netz festgeklebte Motte beobachtet. Es wurde vermutet , dab die Larve an der Motte fraB. Wenn dieser Bericht best~tigt werden kSnnte, w/irde er nattirlich fiir die ErSrterung der Evolutionsfrage yon grol3er Bedeutung sein. Es ist bekannt (und in meinem Aufsatz erw~ihnt), dab Mycetophilidenlarven schleimige Netze weben kSnnen, und auch dab sie zum Leben an dunklen Often neigen. Der entscheidende Punkt ist aber, ob die Schleimf~den als Tierfalle benutzt werden und die Larven fleischfressend sind. W~IEELER (1930) ftihrte in seinem halbpopul~tren (mir erst jetzt bekannt gewordenen) Buch den Fall der Macrocera an und schl~igt die Namen lochesis und lochetisch fiir fallenbauende Tiere vor. Er nimmt ENSLnq's Beschreibung an und bezeichnet Macrocera zusammen mit Araschnocampa yon Neuseeland und

DOI: 10.1007/BF00641159

Cite this paper

@article{Goldschmidt2004EineWB, title={Eine weitere Bemerkung {\"{u}ber „Gl{\"{u}hw{\"{u}rmer und Evolution”}, author={Richard B. Goldschmidt}, journal={Naturwissenschaften}, year={2004}, volume={38}, pages={437-438} }