Eine Handschrift vom „Augendienst“ des Georg bartisch von Königsbrück

Abstract

Hilie zu kommen. Der Fall wurde frfiher schon von LOWENSTEIN ver6ffentticht (~932). flail 2 ist der Klinik durch eine Anfrage bekannt geworden, die eine genaue Durchsicht der ProzeBakten herbeiffihrte. Ein 7j~hr. Junge bekommt wegen ether mit Fieber und Husten einhergehenden Erkrankung, die als Keuchhusten-3/iischinfektion angesehen wird (auch die Schwester des Kranken leidet zur gleichen Zeit an Keuchhusten), eine Stronchineinspritzung in die rechte Ges~Bh~tlfte. Danach entwickelt sich an diesemt3eine eine Peronaeusl~hmung, die sparer einen Schienenapparat er~orderlich macht. Der Arzt wird vom Vater des Kindes verMagt. Es wird ibm der Vorwuri gemacht, er babe durch falsche Wahl der Ei~stichstelle den N. ischiadicus verletzt. Das Cericht weist die Klage ab. Eine fehlerhafte W'ahl der Injektionsstelle k6nne keinesfalls nachgewiesen werden, set auch nicht anzunehmen. Das Gericht hMt nach den AusIiihrungen des Sachverst~ndigen den Schlu/3 fflr gerech~iertigt -ohne diesem Umstand fiir den StreifM1 selbst ein entscheidendes Gewicht zuzumessen --, dab die L~hmung anf ether Erkrankung an spinaler Kinderl~ihmung beruht. Es ist bezeichnend, dab in den Aussagen des ~irzflichen Sachverst~ndigen und der iirztlichen Gutachter, die in diesem Reehtsstreit gehSrt werden, vorwiegend die Frage einer mechanischen Sch~tdigung des tI i i f tnerven er6rtert wird. Nut einmat wird erw~hnt, dab L~hmungen nach Injekt]onen,, in den letzten Jahren 6fter beschrieben und als nnglticMiche Zuf~ille zu bezeichhen" sind. U n d nur in einer ~irztliehen KuBerung wird eine chemische Reizung Ifir wahrscheinlicher als eine mechanische gehalten, ohne dab fiber den chemisch wirksamen Bestandteil des bier gegebenen Mittels eine Ansicht ausgesprochen wird. Es sind also offenbar frfiher schon in ~irztlichen Zeitschriften ver6ffentlichte :Warnungen noch nicht genfigend bekannt geworden. Vor der intraglut~ialen Stronchin-Injektion hat 1932 LOWIENSTEIN gewarnt, dann ausdrticklich N E D E L M A N N 1933. I)ieser sah dreimal auch dann L~ihmungen , wenn die Injektion mit besonderer Sorgfalt in den oberen ~iuBeren Quadranten der Glut~ialmnsknlatur verabreicht war. In diesen F~illen t ra t die L~hmung nicht )unmittelbar ~iach der Einspritzung, sondern erst sp~iter ein, und d i e Ansheilnng ging viel rascher vonstat ten als bet den F~llen, bet denen eine I n j e k t i o n unmittetbar an den N. ischiadicus angenommen werden muBte. ,,Hier mfissen wir uns die Sch~idigung so vorstellen, dab trotz regelrechter Injektion yon dem Stronchindepot in die Glut~ialmuskulatur aus kleine Mengen des Medikaments an den Ischiadicus gelangt sind. Eine mechanische Seh~digung i s t anszuschliel3en t" I)er Bestandteil im Stronchin, yon dem bekannt ist, dab er gelegentlich Nervenlghmungen nach Injektionen macht, ist das Chinin. Nach NEDELi-HANN sail ZUELZER wiederholt L~ihmungen im Ischiadicusgebiet bei Anwendung yon Chininpr~iparaten. Im laufenden Jahrgang der Mfinch. med. Wschr. erschien (auI S. 364) eine Anfrage, die folgenden Tatbestand zur Grundlage hat te : Nach Einspritzung yon 2 ccm Transpulmin in die Streckseite des linken Oberarmes stetlten sich nach Wochen eine Atrophie der kleinen Handmuskeln, Sensibilit/itsund Motilit~tsst6rungen im Ulnarisgebiet ein. In der Antwort schreibt ZI~I~EN: ,,Toxische Neuritiden nach intramuskulgren Chinininj ektionen sind mehrfach beschrieben ; auch Fgtle yon Radialislghmung nach Chinininjektion in die Streckmuskulatur des Oberarms sind bekannt ." Diese unangenehmen Folgen kommen nur nach einem kleihen Teil der Chinineinspri~zungen vor. Sie bilden Ansnahmen. Nut so ist es zu verstehen, dab die V~Tarnungen anscheinend ungentigend bekannt geworden sind, und dab sehr gebrguehliche nnd gesch~tzte chininhaltige ~{itteI gerade zur intramuskul~iren Injektion hergestellt, ohne \Viderspruch angewandt und in Ver6ffenttichungen ansdriicklich empfohlen werden, w~e Chinin selbst, Cardiazol-Chinin, Solvochin, Transpulmin, Stronchin. In den ProzeBakten nnseres 2. Falles erkl~irt deshalb ether der begutachtenden ~rz te diese Anwendung des Stronchins bet einem schweren Keuchhusten als eine wissenschaftlich anerkannte Methode und teilt mit, dab er das jetzt nochmals durch eine Riickfrage bet einer mal3gebenden Kinderklinik festgestellt habe. Da aber in einem Teil der F&lle auch bei atler Vorsicht und sorgf~ltiger Beachtung der Mlgemeingfiltigen Injektionsvorschriften ernste Liihmungen vorkommen, so ist eine ernente Warnnng am Platze. In Malariattindern, wo das Chinin auch in seiner Giftwirkung bekannter ist, deshalb z. ]3. nach CHANIOTIS, Athen, h~tufig als Selbstmordmittel miBbrancht wird, sind nach ether mfindlichen NIitteilung, die wir Herrn Dr. I3ERTs Rom, verdanken, anch die Gefahren der intramuskul~ren Chinininjektionen mehr im 13ewuBtsein der ~rzte . Nach AbschluB dieser Mitteilung linden wir eine Ver6ffentIichung yon B~UMER aus diesem Jahre, in der wegen einer Beinl~hmung und Gewebsnekrose nach Injektion yon 0, 3 ccm Transpulmin bet einem S~ugling gefordert wird, dab bet Siiuglingen intraglut~ale Einspritzungen yon Chininpr~iparaten ganz nnterbleiben.

DOI: 10.1007/BF01774856

Cite this paper

@article{Brunn2005EineHV, title={Eine Handschrift vom „Augendienst“ des Georg bartisch von K{\"{o}nigsbr{\"{u}ck}, author={Prof v. Brunn}, journal={Klinische Wochenschrift}, year={2005}, volume={16}, pages={96-96} }