Differenzierte Anwendung von Cyproteronacetat bei Androgenisierungs-erscheinungen der Frau

Abstract

Die Anwendung von Chlormadinonacetat (CMA) und Cyproteronacetat (CPA) ist die Methode der Wahl bei nicht-tumorbedingten Androgenisierungserscheinungen der Frau. Aber trotz Medikamenten-Variation bleibt oft schon bei mfiBigschwerer Erkrankung der Behandlungserfolg unbefriedigend. Mit CPA 1/if3t sich aber eine Behandlung individuell gestalten, da die Substanz sowohi zur oralen wie auch parenteralen Behandlung zur Verffigung steht. In drei klinischen Studien konnte bei mfigig-schwerer bis schwerer Androgenisierung die therapeutische Breite einer oralen Behandlung mit Diane-35 (150 Patienten/36 Zyklen) oder mit Diane-35 + Androcur 10 (159 Patientinnen/18 Zyklen) sowie eine parenterale Applikation von Androcur-Depot (+ Diane-35 oral) (40 Frauen/30 Zyklen) geprfift und die Auswirkungen auf Zyklusve~halten und Toleranzparameter (biochemische MeBwerte des Fettund Kohlenhydratstoffwechsel und LeberSonographie) registriert werden. Studie I: Blutdruck blieb konstant. Knapp ein Viertel der Probanden bemerkte eine Gewichtszunahme von mehr als 2 kg, was aber eine saisonale Ursache hatte. Blutungsparameter (Zyklusl/inge (Z), -Dauer (D) und -St/irke (St) blieben unbeeinfluBt, Blutungsanomalien (Schmierblutungen (S) und Durchbruchblutungen (Du)) wurden entsprechend anderen Micropillen erwartet, blieben abet aus. H/iufigste Begleiterscheinungen waren Brustspannen sowie Besenreiser oder Varizen. Die Besserung oder Abheilung der Androgenisierungserscheinungen setzte bei Akne auff/illig im 6. Behandlungszyklus, bei Hirsutismus aber erwartungsgem~iB infolge der niedrigen Antiandrogen-Dosis deutliche spfiter ein (Tabelle 1). Studie II: Blutdruck blieb konstant. Blutungsparameter erfuhren unter der Behandlung eher eine Normalisierung, Blutungsanomalien traten entsprechend der niedrigeren Oestrogen-Dosierung h/iufiger auf, zeigten aber mit dem 6. Behandlungszyklus eine Normalisierung. Neben dem erzielten positiven Behandlungserfolg bei androgenetischer Alopezie reagierte eine Akne oder Seborrhoe durchschnittlich in 75 % mit Abheilung, wogegen der Behandlungserfolg bei Hirsutismus erwartungsgem~iB geringer ausfiel (Tabelle 2). Zyklusanomalien und Zwischenblutungen waren geringfiigig. Die biochemischen Parameter des Glukose-, Fettund Leberstoffwechsels blieben ohne pathologische Ver/inderungen. Die Hormon-Parameter des Androgenstoffwechsels waren erh6ht, lagen aber niemals im tumorverd/ichtigen Bereich. Die LeberSonographie zeigte in 4 F/illen eine leichte verfettende Degeneration des Parenchyms. Bei drei dieser Patientinnen diirfte die ausgangs vorhandene Adipositas in Verbindung mit der Hormontherapie eine Rolle gespielt haben. Anzeichen ffir Ver/inderungen im Sinne einer Neoplasie als m6glicher Einflul3 hochdosierter Steroidtherapie auf die Leber waren nicht nachweisbar. Die Nebenwirkungen einer parenteralen Applikation von CPA schienen geringer zu sein. Die Verbesserung der Androgenisierungssymptome war unterschiedlich; eine Akne kam iramet zur Abheilung, nicht aber im selben MaBe St6rung der Haarmuster. Mit der oralen Anwendung von CPA in verschiedenen Dosierungen und darfiber hinaus durch die M6glichkeit einer parenteralen Applikationsform stehen heutzutage mehrere Alternativen zur Verffigung, die durchaus Wert sind, bei der Behandlung von Androgenisierungserscheinungen in Betracht gezogen zu werden.

DOI: 10.1007/BF02417648

Cite this paper

@article{Kaiser2006DifferenzierteAV, title={Differenzierte Anwendung von Cyproteronacetat bei Androgenisierungs-erscheinungen der Frau}, author={Eberhard Kaiser}, journal={Archives of Gynecology and Obstetrics}, year={2006}, volume={245}, pages={985-986} }