Die Temperaturabhängigkeit der Gewohnheitsbildung und der endogenen Bildung zentralnervöser Erregungsfähigkeit

  • Ludwig Franzisket
  • Published 2004 in
    Pflüger's Archiv für die gesamte Physiologie des…

Abstract

Die Antwortrate (Zahl der Wischbewegungen) auf eine Reizserie (100 Kratzreize auf die Flanke) ist das Maß für das Niveau zentralnervöser Erregungsfähigkeit, die für die Ausführung dieser Wischbewegungen notwendig ist. Entsprechende Versuche an Rückenmarksfröschen zeigen: 1. Das Niveau zentralnervöser Erregungsfähigkeit steigt durch häufige Wiederholung eines Erregungsablaufes (Gewohnheitsbildung). Werden die Versuchstiere täglich bei 21° gereizt und dann bei optimaler Temperatur (24°) aufbewahrt, so steigt das Niveau in 5–8 Tagen um das 5–10 fache des Anfangsniveaus. Werden die Tiere dagegen nach Reizung bei 21° für die folgende Zeit in kühler Temperatur (+3°) aufbewahrt, so unterbleibt diese Niveauerhöhung. 2. Der Wiederaufbau der Erregungsfähigkeit nach Ermüdung der Wischbewegung ist ebenso temperatur- und zeitabhängig. 3. Die Anlage zur Steigerung (nicht die Steigerung selbst) der Bildung zentralnervöser Erregungsfähigkeit zur Ausführung der Wischbewegung kann sich bei kalt gehaltenen Fröschen in mehreren Tagen summieren. 4. Das Niveau zentralnervöser Erregungsfähigkeit für die Wischbewegung braucht nicht durch laufenden Stoffwechsel unterhalten zu werden, sondern bleibt bei Reduktion der Stoffwechselintensität stabil. Das Niveau zentralnervöser Erregungsfähigkeit steigt durch häufige Wiederholung eines Erregungsablaufes (Gewohnheitsbildung). Werden die Versuchstiere täglich bei 21° gereizt und dann bei optimaler Temperatur (24°) aufbewahrt, so steigt das Niveau in 5–8 Tagen um das 5–10 fache des Anfangsniveaus. Werden die Tiere dagegen nach Reizung bei 21° für die folgende Zeit in kühler Temperatur (+3°) aufbewahrt, so unterbleibt diese Niveauerhöhung. Der Wiederaufbau der Erregungsfähigkeit nach Ermüdung der Wischbewegung ist ebenso temperatur- und zeitabhängig. Die Anlage zur Steigerung (nicht die Steigerung selbst) der Bildung zentralnervöser Erregungsfähigkeit zur Ausführung der Wischbewegung kann sich bei kalt gehaltenen Fröschen in mehreren Tagen summieren. Das Niveau zentralnervöser Erregungsfähigkeit für die Wischbewegung braucht nicht durch laufenden Stoffwechsel unterhalten zu werden, sondern bleibt bei Reduktion der Stoffwechselintensität stabil. Die Versuche deuten auf eine stoffwechselphysiologische Grundlage dieser Vorgänge hin.

DOI: 10.1007/BF00363484

Cite this paper

@article{Franzisket2004DieTD, title={Die Temperaturabh{\"a}ngigkeit der Gewohnheitsbildung und der endogenen Bildung zentralnerv{\"{o}ser Erregungsf{\"a}higkeit}, author={Ludwig Franzisket}, journal={Pfl{\"{u}ger's Archiv f{\"{u}r die gesamte Physiologie des Menschen und der Tiere}, year={2004}, volume={255}, pages={204-212} }