Die Frakturen des kindlichen Fußes „Was wächst sich aus“?

Abstract

Die anatomischen Unterschiede zum Erwachsenen bestehen aus Besonderheiten im Hinblick auf Gröûe, Achsen sowie Knochen-, Knorpelund Bandstrukturen. Das Längenwachstum des Fuûes findet, verglichen zum übrigen Skelett, wesentlich schneller statt. So ist nach Untersuchungen von BLISS et al. ein wesentlicher Anteil des Längenwachstums bereits bis zum 5. Lebensjahr abgeschlossen. Bei 1-jährigen Mädchen bzw. 1/2-jährigen Jungen hat der Fuû bereits 50 % seiner Gesamtlänge erreicht, wohingegen dies beim Femur erst nach 3 Jahren der Fall ist. Obwohl dieses Wachstumspotential besonders bei den Fuûknochen mit Epiphyse besteht, ist es im Gegensatz zu den langen Röhrenknochen schon mit dem 12. Lebensjahr weitgehend erschöpft. Dies ist bedeutungsvoll für die einzuschlagende Behandlungsstrategie. Wo steht die Behandlung der Frakturen des kindlichen Fuûes 1997? Welche Frakturen können konservativ, welche müssen operativ behandelt werden? Anhand des eigenen Krankengutes sowie den Berichten aus der Literatur soll in der folgenden Arbeit Behandlungsvorschläge gemacht werden, die zum einen die Ergebnisse der Literatur berücksichtigen, zum andern aber auch neuere Therapiekonzepte und operative Techniken vorstellen. Im einzelnen führen Frakturen und Luxationen des Talus, Calcaneus, der Chopartund Lisfrancreihe zu schweren Gelenkverwerfungen, welche auch beim Kleinkind ohne entsprechende Reposition durch das Wachstumspotential nicht ausgeglichen werden können. Die Fortschritte der 1Erwachsenenchirurgiea am Fuû haben sich auch in der 1Kinderchirurgiea niedergeschlagen, so daû die komplizierte Fraktur des kindlichen Fuûes nicht mehr die alleinige Domäne der konservativen Behandlung sein kann. Die Verbesserung der Versorgung von komplizierten Frakturen des kindlichen Fuûes muû ein weiterer Fokus in der zunehmenden Diskussion über die Behandlung von Verletzungen des Fuûes sein. Die wissenschaftlich exakte Aufarbeitung der Frakturen des kindlichen Fuûes steht vor dem Problem, daû bislang zu geringe Fallzahlen evaluiert wurden: Um detaillierte Therapiekonzepte einzelner seltener Problemfrakturen (z. B. Talus-, Calcaneusfrakturen) wissenschaftlich fundiert überprüfen zu können, bedarf es multizentrischer Studien mit standardisierten Protokollen.

DOI: 10.1007/s001130050224

Cite this paper

@article{al2016DieFD, title={Die Frakturen des kindlichen Fu\sses „Was w{\"a}chst sich aus“?}, author={H. Thermann et al.}, journal={Der Unfallchirurg}, year={2016}, volume={101}, pages={1-1} }