Der triebhafte Verbrecher und seine Diagnostik

Abstract

Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre sind an wichtigen Punkten writ fiber das hinausgewachsen, was die herk6mmliehe ,,forcnsische Psychiatrie" umfal~; und zw~r sowohl, was die Erkcnntnisse selbst, als auch die daraus zu entwickelnde Begriffsbildung betrifft. Die neucn Linien zcichnen sich besonders auf zwei Gebieten dutch : einmal auf dem Goblet der Physiologic und Pathophysiologie des Gehirns mit den merkwfirdig pr/~gnanten Steuerungen isolicrbarer Triebe und Temperamentsabwandlungen und sodann auf dem Gebiet der Konstitutionsbiologie, der psychophysischen Entwicklungsprobleme, besonders auch des puberalen Instinktwandels und seiner StSrungen, zu denen neben der Neurosenlehre besonders auch die Kriminalbiologie ein rciehes Material ticfert. Die auf beiden Gebicten in foro zu behandelnden Probleme liegen vorwiegend auBerhalb der herk6mmlichen Rahmenbegriffe: ,,Psychose", ,,Schwachsinn", ,,Psychopathie". ])elNeuaufbau einer systematischen Lehre yon den menschlichen Trieben, Instinkten und formelhaftcn Automatismen mit EinschluB der sieh bier fiberschneidenden Probleme der yon mir zungchst mit dem Stichwort ,,psychomotorische Schablonen" bezeichneten Phgnomcne wird notwendig sein und ist auch in Angriff gcnommen. Aber auch die praktisch forensische ]3ehandlung dieser Gruppen wh'd neuer Wege und schrit, tweise wohl auch neuer gesetzlicher l~ormen bcdfirfen. Das Stichwort ,,Diagnostik", das wit bier vorangestellt haben, hat eine Mare begriffliche Pr/~gung. Wenn wir yon ,,Diagnostik" reden, so meinen wir nicht das individuell psyehologisehe Verst~ndnis intercssanter Einzetf~lle, wie sie besonders die ~ltere Kriminalkasuistik bietet; dieses individuelle Verst~indnis jedes Einzelfalls unter seinen mehrfaehen speziellen Bedingtheiten setzen wit als selbstverst~ndlieh und wiehtig voraus. Eine Diagnostik des Verbrechens beginnt vielmehr erst dort, w o e s gelingt, h//ufig zusammen vorkommende biologische Merkmalsgruppen, sogenannte , ,Syndrome" herauszuheben, deren Zusammenhang weder logiseh ableitbar, noch naeh der Alltagspsyehologie selbstverstgndlieh ist. Solehe echten Syndrome pflegen uns hgufig auf tiefere }Vurzeln des

DOI: 10.1007/BF00345571

Cite this paper

@article{Kretschmer2004DerTV, title={Der triebhafte Verbrecher und seine Diagnostik}, author={Prof. Dr. Dr. h. c. Ernst Kretschmer}, journal={Archiv f{\"{u}r Psychiatrie und Nervenkrankheiten}, year={2004}, volume={191}, pages={1-13} }