Bestandsaufnahme der Versorgung demenziell Erkrankter türkischstämmiger Menschen

Abstract

In Deutschland haben 16,3 Mio. Menschen, das sind 20,4 % der Bevölkerung, einen Migrationshintergrund [2]. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist im Durchschnitt jünger als die Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Zugewanderte Menschen im Alter über 65 Jahre stellen allerdings eine schnell wachsende Bevölkerungsgruppe dar. Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl der 1,5 Mio. über 65-Jährigen mit Migrationshintergrund sich bis zum Jahr 2030 fast verdoppeln wird auf dann 2,8 Mio. [1]. Menschen mit Migrationshintergrund sind eine heterogene Bevölkerungsgruppe mit unterschiedlichen Herkunftskulturen und Zuwanderungsbiografien.Diederzeit schnellwachsende Population alter Menschen ist mehrheitlich durch die Arbeitsmigration nach Deutschland in den 1950er und 1960er Jahren bedingt. Frühe gesundheitliche Beeinträchtigungen sowie Defizite an gesundheitsbezogener und soziokultureller Teilhabe sind schon vielfach thematisiert worden. Das Gleiche gilt auch für Barrieren in der Inanspruchnahme von Diensten der altenpflegerischen Versorgung [1]. Statistische Daten und forschungsbasierte Erkenntnisse sind allerdings vielfach noch unzureichend. Die Autorinnen der Beiträge schließen hier eine Lücke, indem sie die Versorgung von Menschen mit Demenz und Migrationserfahrungen explorieren. In dem Herausgeberband werden in 8 Kapiteln unterschiedliche Aspekte der Versorgung demenziell erkrankter Menschen beleuchtet. Die Aussagen basieren auf Befragungsergebnissen vonExperten in Berlin und in weiteren Kommunen mit einem hohen Anteil der Migrationsbevölkerung (Dibelius, Kap. 6), auf der Befragung von Angehörigen demenziell Erkrankter in Berlin und der Analyse von Belastungsfaktoren (Piechotta-Henze, Kap. 7 und Kap. 8; Feldhaus-Plumin, Kap. 9) sowie auf einer Dokumentenanalyse zu türkischsprachigen Informationen in den Medien und im Internet (Weidlich und Yalniz, Kap. 5). In einem weiteren Kapitel werden Versorgungsstrukturen von Menschen mit demenzieller Erkrankung in der Türkei vorgestellt (Yilmaz und Pamuk, Kap. 2), und es wird ein validiertes Instrument zur Demenzdiagnostik für Menschen türkischerHerkunft (SemaSevenet al.,Kap. 3) erläutert. EinführendeÜberlegungenzur Begegnung mit dem Fremden (KhanZvorničanin, Kap. 1) und ein Resümee der Herausgeberinnen (Kap. 10) ergänzen diese Zusammenstellung. Der Band bildet somit eine BestandsaufnahmederVersorgungdemenziellErkrankter türkischstämmiger Menschen auf der Grundlage befragungsbasierter Forschungsergebnisse ab. Es werden Defizite der Versorgung auf der Basis dieser qualitativen Exploration identifiziert, und mögliche Interventionen werden vorgestellt. Die thematische Breite des Bandes vermag damit zahlreiche Anregungen zur Optimierung der Versorgungssituation von türkischstämmigen Menschen mit Migrationshintergrund geben. Sie lässt allerdings einige Überlegungen und Untersuchungsergebnisse in der abschließenden Bündelung der Erkenntnisse unberücksichtigt. Dies gilt auch für die theoretische Grundlegung zum Verstehen des Fremden, die zwar zentrale Ansätze transkultureller Theorienbildung referiert, deren Impulse für die hier vorliegende Forschung aber nicht durchwegs deutlich werden. Denn der Diskurs zu Versorgungslage und -defiziten der Migrationsbevölkerung profitiert nicht nur von transkulturellen,

DOI: 10.1007/s00391-016-1121-2

Cite this paper

@article{Habermann2016BestandsaufnahmeDV, title={Bestandsaufnahme der Versorgung demenziell Erkrankter t{\"{u}rkischst{\"a}mmiger Menschen}, author={Prof. Dr. Monika Habermann}, journal={Zeitschrift f{\"{u}r Gerontologie und Geriatrie}, year={2016}, volume={49}, pages={660-661} }