Aneurin im Liquor

Abstract

Durch Aneurinuntersuchungen mit dem Phycomycestest konnte die Anwesenheit von Aneurin im Liquor nachgewiesen werden. Frühere Untersuchungen mit der Thiochrommethode hatten den Liquor aneurinfrei befunden. Dieser Widerspruch mag darauf zurückzuführen sein, daß mit der üblichen Thiochrommethode nur reines Aneurin, mit dem Phycomycestest aber auch seine physiologischen Abwandlungsprodukte erfaßt werden. Die Menge des Liquor-Aneurins schwankt stark und hat keine sicheren Beziehungen zu seinem Blutwert, dem Krankheitsprozeß oder dem Zustand der Blut-Liquor-Schranke aufzuweisen. Gesetzmäßigkeiten sind auch aus methodischen Gründen noch nicht aufzustellen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß das Liquor-Aneurin physiologische Beziehungen zum Aneurinbedarf oder -gehalt des Zentralnervensystems hat. Nach Wiedergabe und Besprechung einiger B1-Blutbelastungskurven kann gezeigt werden, daß nach intravenöser Aneurininjektion ein gewisser Übertritt in den Liquor stattfindet. Intralumbal injiziertes Aneurin diffundiert nur wenig in den oberen Rückenmarkskanal und wird sehr schnell aus dem lumbalen Arachnoidalraum ins Blut resorbiert. Es wirkt also praktisch wie intravenös oder subcutan verabreichtes Aneurin, so daß die intralumbale Injektion nicht den Vorzug besitzen kann, der ihr von einigen Seiten für die Behandlung zentralnervöser Erkrankungen zugesprochen wurde.

DOI: 10.1007/BF01779960

Cite this paper

@article{Sker2005AneurinIL, title={Aneurin im Liquor}, author={Gerhard S{\"a}ker}, journal={Klinische Wochenschrift}, year={2005}, volume={19}, pages={99-102} }