Über die Beeinflussung des Alpha-Rhythmus durch stereotaktische Operationen an den Basalganglien

  • J. A. Glberger
  • Published 2004 in Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten

Abstract

Es wird über vergleichende prä- und postoperative EEG-Untersuchungen an 120 Parkinson-Kranken berichtet, welche eine einseitige und erstmalige stereotaktische Operation entweder im inneren Pallidum oder in den motorischen Afferenzen des Thalamus (V.o.a, gelegentlich L.po und V.o.p) durchgemacht haben. 25% der Fälle wiesen bereits präoperativ ein abnormes EEG mit unter 8/sec verlangsamten Alpha-Rhythmus auf, sie zeigten allerdings neben dem Parkinson-Syndrom auch noch Zeichen anderer organischer Hirnschädigung (vorwiegend Arteriosklerose) und neigten viel eher als andere zu einem postoperativen organischen Psychosyndrom oder bereits nach der Encephalographie zu vorübergehender Verwirrtheit. Das EEG ist daher ein Faktor in der Eingrenzung der Indikation zur stereotaktischen Operation beim Parkinson-Syndrom. Bei 75% war der Alpha-Rhythmus präoperativ innerhalb des normalen Frequenzbandes von 8–13/sec, wie es beim reinen Parkinson-Syndrom zu erwarten ist. Bei 104 Fällen (86,6%) wurde durch die unilaterale Ausschaltung im Pallidum oder den oralen Ventralkernen des Thalamus eine bilaterale Verlangsamung des Alpha-Rhythmus bewirkt, die weiter aufgeschlüsselt und zum Teil graphisch dargestellt wird. Die beiderseitige Verlangsamung nach einseitiger stereotaktischer Operation erfolgt wahrscheinlich über das retikuläre Aktivierungssystem und die unspezifischen Projektionssysteme und wird erstens als neurophysiologischer Hinweis für Hasslers Feststellung, daß das Pallidum in den Leitungsmechanismus des unspezifischen Projektionssystems eingeschaltet ist, angesehen, zweitens als weiteres Glied in der Beweiskette für die Existenz subcorticaler Schrittmacher corticaler Rhythmen betrachtet. Die in 93,3% vorhandenen vorübergehenden Herdveränderungen werden nur kurz erwähnt, da sie anderswo ausführlich behandelt werden sollen. Beide Arten der EEG-Veränderungen bilden sich in der Regel innerhalb von 6 Wochen nach dem Eingriff zurück. Ein Unterschied in der Alpha-Verlangsamung zwischen Koagulationen im Pallidum und in den oralen Ventralkernen des Thalamus Operierten fand sich ebensowenig wie ein Zusammenhang zwischen Alter und Grad der Verlangsamung.

DOI: 10.1007/BF00342865

Cite this paper

@article{Glberger2004berDB, title={{\"{U}ber die Beeinflussung des Alpha-Rhythmus durch stereotaktische Operationen an den Basalganglien}, author={J. A. Glberger}, journal={Archiv f{\"{u}r Psychiatrie und Nervenkrankheiten}, year={2004}, volume={199}, pages={630-642} }