Über den Formwechsel einiger Zellorganelle bei der Bildung der Reservestoffe im Fettkörper von Drosophila-Larven

Abstract

Der Fettkörper von Larven von Drosophila melanogaster (Stamm Berlin normal) wurde zu verschiedenen definierten Zeitpunkten zwischen der letzten Larvenhäutung und der Puppenhäutung licht- und elektronenmikroskopisch untersucht. Dabei ergab sich: 1. Der Fettkörper ist von einer zarten Basalmembran umhüllt. Die darunterliegenden Zellen besitzen eine Reihe von tief einschneidenden verzweigten Falten. Ihre Oberfläche wird außerdem durch zahlreiche kurze, hakenförmig in das Cytoplasma vorspringende Tubuli vergrößert. Verschiedene Befunde sprechen dafür, daß diese Strukturen der Pinocytose dienen. 2. Gruppen von offenbar pinocytotisch entstandenen 300 Å großen Bläschen treten zum granabesetzten Endoplasmatischen Reticulum in innige Beziehung. 3. Fettkörperzellen von Drosophila enthalten nur granabesetztes Endoplasmatisches Reticulum. 4. Fett wird intrazisternal im Lumen von granatragenden ER-Lakunen angereichert und gespeichert. 5. Das granatragende ER bleibt auch dann mit den Fettvakuolen in Verbindung, wenn, wie in der zweiten Hälfte des letzten Larvenstadiums, die Fettmenge pro Zelle absinkt (Planimetrie). 6. Glykogentröpfchen von 300–800 Å Durchmesser werden in unmittelbarem Kontakt mit ribosomenartigen Grana abgeschieden. 7. Die bis zu 6 μ großen Eiweißgrana enthalten vereinzelt ribosomenartige Grana, granabesetzte ER-Lakunen, Glykogentröpfchen, stets Mitochondrienreste und sehr viel amorphe dunkle Substanz (OsO4-Methacrylat). Sie sind von einer einfachen Membran begrenzt. 8. Wachsende Eiweißgrana enthalten Wickel aus dünnsten Membranen oder Lamellen. 9. Hinweise sprechen dafür, daß die jüngsten Eiweißgrana durch Vermittlung von Substanzen, die in Form von 200–300 Å großen rundlichen Körpern im Zellkern entstehen, unter Beteiligung von Mitochondrien gebildet werden. Es wird vermutet, daß die Eiweißgrana mit Lysosomen verwandt sind. 10. Auch granatragende ER-Lakunen falten sich von der äußernen Kernmembran ab. 11. Die Kernmembran wird in späten dritten Larven auch neben den Poren so stark von fibrillärem Material durchsetzt, daß ihre scharfen Umrisse verschwinden. 12. Das Problem der Steuerung dieses Vorganges wird besprochen. Es wird gefolgert, daß ER, Eiweißgrana und wohl auch Glykogen unter unmittelbarer Beteiligung von Genom und Kernmembran gebildet werden. 13. Über die Steuerung der Fettkörperentwicklung innerhalb des Organismus liegen noch keine eigenen Befunde vor. Der Fettkörper ist von einer zarten Basalmembran umhüllt. Die darunterliegenden Zellen besitzen eine Reihe von tief einschneidenden verzweigten Falten. Ihre Oberfläche wird außerdem durch zahlreiche kurze, hakenförmig in das Cytoplasma vorspringende Tubuli vergrößert. Verschiedene Befunde sprechen dafür, daß diese Strukturen der Pinocytose dienen. Gruppen von offenbar pinocytotisch entstandenen 300 Å großen Bläschen treten zum granabesetzten Endoplasmatischen Reticulum in innige Beziehung. Fettkörperzellen von Drosophila enthalten nur granabesetztes Endoplasmatisches Reticulum. Fett wird intrazisternal im Lumen von granatragenden ER-Lakunen angereichert und gespeichert. Das granatragende ER bleibt auch dann mit den Fettvakuolen in Verbindung, wenn, wie in der zweiten Hälfte des letzten Larvenstadiums, die Fettmenge pro Zelle absinkt (Planimetrie). Glykogentröpfchen von 300–800 Å Durchmesser werden in unmittelbarem Kontakt mit ribosomenartigen Grana abgeschieden. Die bis zu 6 μ großen Eiweißgrana enthalten vereinzelt ribosomenartige Grana, granabesetzte ER-Lakunen, Glykogentröpfchen, stets Mitochondrienreste und sehr viel amorphe dunkle Substanz (OsO4-Methacrylat). Sie sind von einer einfachen Membran begrenzt. Wachsende Eiweißgrana enthalten Wickel aus dünnsten Membranen oder Lamellen. Hinweise sprechen dafür, daß die jüngsten Eiweißgrana durch Vermittlung von Substanzen, die in Form von 200–300 Å großen rundlichen Körpern im Zellkern entstehen, unter Beteiligung von Mitochondrien gebildet werden. Es wird vermutet, daß die Eiweißgrana mit Lysosomen verwandt sind. Auch granatragende ER-Lakunen falten sich von der äußernen Kernmembran ab. Die Kernmembran wird in späten dritten Larven auch neben den Poren so stark von fibrillärem Material durchsetzt, daß ihre scharfen Umrisse verschwinden. Das Problem der Steuerung dieses Vorganges wird besprochen. Es wird gefolgert, daß ER, Eiweißgrana und wohl auch Glykogen unter unmittelbarer Beteiligung von Genom und Kernmembran gebildet werden. Über die Steuerung der Fettkörperentwicklung innerhalb des Organismus liegen noch keine eigenen Befunde vor.

DOI: 10.1007/BF00341522

Cite this paper

@article{Gaudecker2004berDF, title={{\"{U}ber den Formwechsel einiger Zellorganelle bei der Bildung der Reservestoffe im Fettk{\"{o}rper von Drosophila-Larven}, author={Brita von Gaudecker}, journal={Zeitschrift f{\"{u}r Zellforschung und Mikroskopische Anatomie}, year={2004}, volume={61}, pages={56-95} }