Ärzte sind häufig ökonomisch bedingt in ihrem Qualitätsbegriff fremdbestimmt

Abstract

Im Verhältnis zur geplanten Länge des Artikels ist der Abschnitt mit der grundsätzlichen Betrachtung der Qualität sicher sehr lang ausgefallen, was aber als Darlegung der Komplexität wichtig war. Insofern mag der Abschnitt über die Rehabilitation etwas kurz und plakativ ausgefallensein,eswurdennurexemplarisch dieKostenträgerGRVundGUVbetrachtet, andere Kostenträger sind quantitativ untergeordnet und zeigen bisher keine anderen Aspekte. Erwartungsgemäß habe ich die ehrlichen und hehren, ärztlich-ethisch sehr ernsten Empfindungen der Kollegen in ambulanter und stationärer Rehabilitationverletzt, indem ich sie letztlich als zynische Büttel derKostenträger hingestellt habe. Dies geschah neben der grundsätzlichAnalyse auch aus der praktischenErfahrung von über 200 von mir erstellten Sozialund Landessozialgerichtsgutachten, indenenichnur3-malzudemErgebnis kam, dass die Beurteilung des Klägers durch den Reha-Abschlussbericht gerechtfertigt war. In allen anderen Fällen wurde der „Rehabilitierte“ nach dem Motto beurteilt „Wer bei uns rehabilitiert wurde, ist wieder arbeitsfähig (vielleicht nicht in der gleichen Position, aber vollschichtig).“ Warum machen die Kliniken und ambulanten Reha-Zentren das? Die dort tätigen Ärzte sind doch nicht bösartig oder dumm. Sie arbeiten heute zumeist unterVorgaben, derenNichteinhaltung ihren Arbeitsplatz gefährdet. Da helfen auch die schönsten wissenschaftlich ausgearbeiteten Fragebögen nichts – Albert Einstein hat mit seiner wissenschaftlichen Ausarbeitung der Relativitätstheorie nicht vorgehabt, dass daraus Atombomben entwickelt werden. Wissenschaft ist vom Kern her neutral, ihre Anwendung zumeist parteilich. Unter Berücksichtigung der Definition der Qualität immer aus Sicht des Kostenträgers können leider alle Fragebögen,Qualitätsmanagement-Verfahren und Definitionen über Sicherheit und Zufriedenheit der zu Rehabilitierenden in ein negativesMuster umgemünzt werden – Rehabilitation ist dann gut, wenn die Folgekosten gegen Null gehen. Diesbedeutetkeineswegs,dass ichden entsprechenden Fachärzten hippokratische Ethik, Verantwortungsgefühl oder Kollegialität absprechen möchte. Ich sehe sie nur leider ökonomisch bedingt in ihrem Qualitätsbegriff völlig fremdbestimmt. Die „Qualität in der manuellen Medizin“ oder „Rehabilitation und manuelle Medizin“ wären natürlich ganz andere Themen, die auch zu anderen Ergebnissen gekommen wären. Besonders das letztere Thema hätte viele Ansatzmöglichkeiten für dasVerhältnis der beiden Begriffe geboten. Insofern macht es durchaus Sinn, dieses Thema noch einmal ausführlich ohne den Aspekt der durch die Kostenträger definierten Qualität zu betrachten.

DOI: 10.1007/s00337-016-0112-0

Cite this paper

@article{Heymann2016rzteSH, title={{\"Arzte sind h{\"a}ufig {\"{o}konomisch bedingt in ihrem Qualit{\"a}tsbegriff fremdbestimmt}, author={Dr. W. von Heymann}, journal={Manuelle Medizin}, year={2016}, volume={54}, pages={118-118} }